Protest The Hero – Volition

von am 20. Oktober 2013 in Album

Protest The Hero – Volition

Protest the Hero sind für ‚Volition‚ via Indiegogo den Crowdfunding-Weg gegangen. Kein Wagnis für die Kanadier: das anvisierte Ziel von 125.000 Dollar wurde in nur 3 Tagen erreicht und in weiterer Folge um  beinahe das Dreifache übertroffen- von optimistischen Bakern, die sich auch vorab sicher sein konnten, dass die technisch so atemberaubenden Progressive Metaler auch im vierten Anlauf qualitätskonstant abliefern würden.

Die Vorzeichen stehen bei Protest the Hero grundsätzlich günstig, ungeachtet der Tatsache dass anstelle des in die Schule zurückgekehrten (und zuletzt ohnedies ein wenig zu Doublebass-verliebten) Moe Carlson für die Albumsessions nun Lamb of God Drummer Chris Adler in atemberaubenden Tempo auf die Felle eindrischt, Rhythmen und Beats in Sekundenbruchteilen auseinandernimmt, neu zusammensetzt und wieder in Grund und Boden tackert: die Latte für Neo-Schlagzeuger Mike Ieradi liegt damit jedenfalls hoch. Dass plötzlich elf anstelle der traditionellen zehn Songs auf einem Album des Quintetts Platz finden: eigentlich egal. Wie auch die aus dem bekannten Muster ausbrechenden Momente eher sorgsam arrangiert im Detail stattfinden. Etwa der an Portugal.The Man erinnernde Schlußpart von ‚Plato’s Tripartite‚, beinahe ein Ausflug in den Psychedelic-Pop. Oder der auf Violinenklängen und Pianoteppichen gebaute Appendix in ‚Mist‚, der geradezu geradlinig-melodiöse „Rock“ des Hits ‚Without Prejudice‚, ‚Drumhead Trial‚ als ultimative Annäherung der Band an die 80er, die immer wieder durchs Geschehen getragene Stimme von Dauergast Jadea Kelly oder die versöhnlich nach Schönheit strebende Ruhe vor dem zwangsläufig folgen müssenden Sturm in ‚Skies‚ – allesamt Ankerpunkte, wie man sie im bestialisch wütenden Technik-Geflecht von Protest the Hero kennt und braucht, um nicht von der schieren Atemlosigkeit der BandKompositionen hinweggefegt zu werden.

Alleine die Gitarrenarbeit auf ‚Volition‚ gehört nicht nur zum mitunter besten was Protest the Hero bisher mit akribischer Mathematik zusammengerechnet haben, sondern auch zum wildesten, was die komplexen Genreachterbahn alleine auf weiter Flur neben längst eingeholten Vorbildern wie Dillinger Escape Plan zu bieten hat. Luke Hoskin und Tim Millar shreddern, riffen und gniedeln sich die unter Strom stehenden Finger wund ( – leider auch auf Kosten von Bassist Arif Mirabdolbaghi), im Rausch rast zudem wieder eine punkigere Hardcore-Atmosphäre (vgl.: ‚Underbite‚) als zuletzt durch viele Kompositionen.
Womit nicht jeder Freude haben dürfte: textlich bleiben Protest the Hero bei den auf ‚Scurilious‚ eingeführten Lyrics als (persifliertes) Spiegelbild des eigenen Befindens, zahlreiche „Fuck„s und marginale Plattitüden müssen nicht dechiffriert werden, wo politisierende Gesellschaftskritik, und nerdige Wettstreite sich trennen fragt jedoch nicht nur das seine Refrains variierende ‚Clarity‚. Trotzdem funktioniert diese Art lyrische Herangehensweise im zweiten Anlauf deutlich besser als noch vor zwei Jahren – mag es an der Gewöhnung liegen, oder daran, dass Ausnahmesänger Rody Walker sein stimmliches Volumen diesmal auch wieder hin zu mehr Growlparts und spitzen Screamo-Schreien ausdehnt.

Protest the Hero schüren für ihren labeltechnischen Befreiungsschlag damitein routiniert die Stärken aller Vorgängeralben zu vereinen versuchendes Päckchen, dem man allerhöchstens noch vorwerfen kann, dass es wenig riskiert, routiniert auf Nummer sicher geht, den ausformulierten Stil der Band zu kaum einem Zeitpunkt weiterentwickelt und seine unzähligen Ideen schonmal zu überfrachtet aneinanderkettet, die Kanadier sind an einem Punkt angekommen an dem weniger manchmal schon wieder mehr wäre: ‚Volition‚ lebt deswegen stärker noch als von seinen herausragenden Songs von gefangennehmenden einzelnen Momenten, die aus dem dynamischen Geflecht emporragen.  Sei es drum: ihren Zenit in dieser Gangart haben Protest the Hero seit ‚Fortress‚ hinter sich, derart hungrig und energiegeladen zu klingen obwohl man mittlerweile (paradoxerweise, angesichts dieser [über]fordernden Kompositionen!) leicht auszurechnen geworden ist muss man allerdings auch erst einmal zustande bringen.

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