Satan – Early Rituals

von am 20. Oktober 2020 in Compilation, Reissue

Satan – Early Rituals

Wenn das starke Cruel Magic von 2018 ein Statement dahingehend war, dass Satan auch heute noch zu den Highlights im NWOBHM-Zirkus gehören, ist die Compilation Early Rituals die durchaus eindrucksvolle Erinnerung daran, dass die britische Band bereits kurz nach ihrer Gründung aus dem Stand Weg zum besten gehörten, was dem Genre passieren konnte.

Richtiger: es ist die neuerliche Erinnerung daran. Denn tatsächlich ist Early Rituals nur eine Neuauflage von dem 2012 erschienen Sammelsurium Early Demos – mit einigen Adaptionen: Die Platte wurde neu gemastert (ist aber freilich immer noch weit von jeglichem High Fidelity-Sound entfernt), zudem wurden die vor einem Jahrzehnt angehängten drei Songs der 1981 veröffentlichten Live at Earthshaker Festival-EP gestrichen.
Stattdessen gibt es die vier Nummern der The Dirt-Demo von 1986, die später als Into the Future-Mini-LP veröffentlicht wurde: Key to Oblivion heult flott, Hear Evil See Evil Speak Evil ist mit rauerem Gesang, breitbeinigen Riffs, frickelnden Rhythmen und Backing-Chören das Highlight, während der instrumentalen Überholspur-Hatz Fuck You der referentielle Schalk im Nacken sitzt und The Ice Man kompakter ausgelegt einen Punk-Spirit andeutet. Ein guter Tausch an sich, zudem demobedingt inhaltlich stimmig – auch wenn chronologisch 1987 ja bereits das dritte Satan Album um die Ecke biegen sollte – „early“ ist das Dirt-Material also insofern eigentlich kaum.

Auf die ansonsten nahtlos von Early Demos übernommene Trackliste trifft dies allerdings zu, die restlichen Kompositionen stammen aus der Zeit vor dem Debütalbum Court in the Act: Die vier Songs der Guardian-Demo (1981) und sechs Stücke der Into the Fire-Demo (1982) zeigen den NWOBHM-Kick der Briten stets mit einer ordentlichen Proto-Portion an Speed und Thrash, immer wieder blitzt auch der Prog und Hooks auf, die den Leibhaftigen zugunsten sozialkritischer Daumenschrauben links liegen lassen.
Trotz wechselnder Besetzung (gerade auch am Mikro) überzeugt Early Rituals dabei bereits stets mit einer technisch brillant sitzenden Performance, die Konstante um die exquisite Gitarren-Spitze Steve Ramsey und Russ Tippins ist einfach eine virtuose Macht, die die Essenz des Metal transpiriert. Da kann man eigentlich nur die gebliebenen klangtechnische Suboptimalitäten bekritteln – und dass Satan auf den regulären Studioalben eben noch zwingender abliefern, als auf diesen früh formvollendeten ersten Gehversuchen.

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