Suche nach: el vy
Nicht verpassen! | 50 – 41 | 40 – 31 | 30 – 21 | 20 – 11 | 10 bis 01 |
10.
Cult [mehr…]
Es scheint fast so, als hätte der verheerende Busunfall den Blick für das wesentliche geschärft: Die personell runderneuerten Baroness destillieren auf dem gefühlten Comeback 'Purple' die Absichten des Vorgängers 'Yellow & Green', lassen sich dann aber von den gefürchteten Produzentenskills des Dave Fridman einen Gutteil der Butter vom Brot klauen.
Bei einer Rangliste von gerade einmal 50 Alben fällt natürlich zwangsläufig einiges unter den Tisch. Weil da aber eben so viele Veröffentlichungen bleiben, die zum Jahresabschluss keineswegs unerwähnt bleiben sollten, gibt es auch dieses Jahr wieder 15 (eigentlich: 16, aber was soll's) Honorable Mentions - Geheimfavoriten, faszinierende Ausnahmeerscheinungen und eben schlichtweg in ihrer Weise herausragende Alben des Jahres 2015, die man keinesfalls verpasst haben sollte.
Es stand zu befürchten: Das zwar belanglos aber durchaus nett in die Melancholie plätschernde 'Ghost Stories' war nur ein kurzes Zucken in eine willkommene Richtung, denn gerade die dort aus dem Rahmen fallende Avici-Produktion 'A Head Full of Stars' hat die Perspektiven für Chris Martin und Co. und ihr vielleicht letztes Studioalbum offenbar wieder gerade gerückt. Coldplay wollen als seelenlose Popband mit immanenter Chartabhängigkeit in Erinnerung behalten werden.
Knapp 10 Jahre ist es her, dass Brand New vor dem Trümmerhaufen ihres angedachten dritten Studioalbums standen: Die damals geleakten und Großteils verworfenen Studiodemos gibt es nun endlich in sauberer Qualität - auf Kassette und digital.
Unter dem Radar der allgemeinen Aufmerksamkeit abstinkend lässt es sich eigentlich auch ungehört ausrechnen, weswegen nicht einmal Hardcore-Fans auf dürftige Comeback 'Hard-Off' gewartet haben dürften: unfassbare 10 Jahre hat die Bloodhound Gang gebraucht, um 5 der seit 'Hefty Fine' erschienenen Interims-Singles mit ebenso vielen neuen Nummern zusammenzuschnüren.
Weil Placebo sich nach einem Lauf von fünf grandiosen Alternative-Rockalben seit 'Battle for the Sun' oder auch schon wieder sechs Jahren auf einem durchwegs ernüchternden Niveau eingependelt haben, macht es (alleine weil das obligatorische Best of ja bereits abgehandelt wurde) durchaus Sinn, dass Brian Molko und Stefan Olsdal sich an bessere Zeiten erinnern und diesen neue Facetten abzugewinnen versuchen.
Nicht einmal ein Jahr nachdem die kalifornischen Keeper sich mit der herausragenden MMXIV als potentielle Macht des Doom in Position brachten, lösen sie bereits alle Versprechungen ein, die diese erste Demo gegeben hat: die beiden Split-Veröffentlichungen mit Sea Bastard und Old Witch geraten bereits erschlagend, mit The Space Between Your Teeth übertreffen sich Penny Keats und Jacob Lee dann aber selbst und beschwören einen formvollendeten Malstrom von einem misanthropischen Doom-Brocken herauf. In welche Sphären Keeper noch wachsen werden, bleibt damit zwar vorerst offen - dass sie ein Gros der Konkurrenz im Jahr 2015 mit der bisherigen Entwicklung bereits Staub fressen lassen, ist jedoch Fakt.
'Everytime geradeaus' nennen Jungbluth den Opener ihres furiosen Zweitwerks, geben damit aber weniger eine Geradlinigkeit in der Ausrichtung vor, als die schier atemlose Getriebenheit der Platte: Lovecult scheppert roh und giftig nach vorne, positioniert sich deutlicher als jede andere Veröffentlichung der Band im Noiserock und attackiert den Hardcore damit an der Grenze zu den vielleicht schmissigsten Songs des Trios bisher. Verschnaufpause gönnen sich die Münsteraner nach diesem imposanten Kraftakt jedoch keine - neben ihrem unermüdlichen Pensum an Live-Terminen schauen Jungbluth auch beim Heavy Pop Adventskalender vorbei.
Bruce Soord's Discographie mangelt es rund um The Pineapple Thief und zahlreiche andere Projekte wahrlich nicht an markanten Momenten. Mit seinem selbstbetitelten Solodebüt hat er 2015 dennoch eine Platte geschaffen, die absoluten Sonderstatus genießt: Für Soord selbst ein zurückgenommen inszeniertes Fenster in die Vergangenheit, intim und nostalgisch; für alle anderen ein den Alltag 41 Minuten lang entschleunigendes Manifest der Zeitlosigkeit, in dessen betörende Anmut und versöhnliche Nachdenklichkeit man immer wieder abtauchen kann. Spektakulärere Platten hat der Engländer deswegen schon aufgenommen - eine wohligere oder gar weisere als 'Bruce Soord' aber vielleicht noch nicht.








