HeavyPop.at

Snow Patrol and the Saturday Songwriters – The Fireside Sessions

Snow Patrol and the Saturday Songwriters - The Fireside Sessions

Snow Patrol sind seit Wildness so produktiv wie lange nicht – ausgerechnet in Pandemie-Zeiten biegt Gary Lightbody nun sogar mit der spontan in Kooperation mit Fans entstandenen EP The Fireside Sessions um die Quarantäne-Ecke.

During lockdown I wrote a song each Saturday on Instagram Live. People from all over the world participated and each week there was 4 or 5 thousand people involved over the course of the hour: The Saturday Songwriters. They would suggest chords and lyrics and I would put them all together and add in a few of my own where appropriate but my unwritten rule was that there would be lyrics from a Saturday Songwriter in each line of the song. We did it for 11 weeks and wrote 12 songs together. It was a lot of fun.
Fünf dieser besagten Stücke finden sich nun auf einem erstaunlich homogenen, karitativen Kurzformat, das meist introspektiv, bedächtig und optimistisch aufbauend kaum Reibungspunkte außerhalb der angestammten Komfortzone von Lightbody preisgibt: Der Input der Saturday Songwriters ist subjektiv nicht essentiell spürbar, im Gegensatz zu dem ähnlich gearteten Projekt von Mike Shinoda, sondern eher subversiv in der Qualität, wenn der Konsens zu beruhigend wie optimistisch auch ohne skizzenhafte Sprunghaftigkeit praktisch ansatzlos im Kosmos von Snow Patrol aufgeht.

Das gelöste Reaching Out to You geht locker nach vorne, munter und optimistisch, im gemscheidigen Groove, der auch Danger Mouse anerkennend-unbeeindruckt nicken lassen wird. In der Strophe akzentuiert vor allem der markant grundierende Bass im lockeren Rhythmus das Geschehen, von dem sich die Melodie elegant tragen lässt; im Refrain macht dann das Instrumentarium auf, nimmt auch ein klimperndes Piano an Bord. Das führt zu einem unangestrengtem Ohrwurm mit fistelnder Bridge, in der Lightbody seinen inneren Bon Iver zumindest im Ansatz hinauslässt. On the Edge of All This legt sich danach in seine Akustikgitarre und die entschleunigt polternde Percussion zurück, baut dann eine beschwörende Stimmung und ergebende Spannung auf, hat diese pathosstark-wattierte Aufbruchstimmung – nur die Chöre sind dann selbst mit Wohlwollen eine Spur zu plakativ, aber wohl sinnbildlich dafür, dass man selbst mit externer Unterstützung nicht immer aus seiner Haut kann.

Das friedlich perlende Akustikstück The Curve of Earth fließt ruhig und umsorgend schunkelnd um seinen kammermusikalisch warmen Folk-Kern und Dance with Me glimmert nachdenklich fingerpickend über bittersüß-nostalgische Backingchöre, legt sich in die satte, organische Rhythmussektion in ihrer geduldigen schippernden Unaufgeregtheit und Zeilen wie „The math can’t explain our love“.
Auch Light Years pflegt diese unspektakuläre Romantik als verhalten twistender Shaker mit subtilem Country-Twang und Hollywood-Abspann-Charakter, ohne die Grundfesten der Snow Patrol‘schen Wohlfühlzone zu erschüttern: Auch auf The Fireside Sessions können die UK-Poprocker diesen (inzwischen endlich wieder) im überwiegend positiven Sinne harmlosen Radiopop einfach, auch und gerade weil die Stadion der Welt mittlerweile zu groß sind. So kohärent, simpel, angenehm, unspektakulär versiert und ausfallfrei (im Umkehrschluß aber auch ohne wirklich zwingenden Hit ausgestattet – was eigentlich gut so ist) wie hier war die Band lange Zeit nicht mehr. Mögen Lightbody und Co. in der sanften Behaglichkeit auch stets ein klein wenig an einer  Nebensächlichkeit vorbeiplätschern, deren emotionaler Impact aktiv konsumiert überschaubar bleibt – eher stimmungstechnisch nachhaltig, als kompositionell -, darf man sich zumindest in gemütlicher Zweisamkeit durchaus noch den fehlenden halben Punkt zur nächsthöheren Wertung hinzudenken.

Die mobile Version verlassen