Steve Blanco – Imprints of Man
Imprints of Man bedeutet: „Steve Blanco plays the music of Imperial Triumphant for solo piano“. Dazu raten die maskierten Avantgarde-Metaller als Kollektiv: „Please enjoy the lush decadence of these frequencies.“
Eine Aufforderung, der man distinguiert nachkommen kann.
Blanco deutet sechs Stücke seiner (die goldenen 20er als Aufhänger für jazzigen Dissonant Death Metal nutzenden) Band schließlich auf ein behändes Romantik-Tastenspiel reduzierend um, bändigt die kontrolliert ungestüme Ader der Originale ein gutes Stück weit, lässt sie von Grandezza, Eleganz und Anmut dominieren. Vieles bleibt vertrackt, der Bassist und Ramones-Anhänger legt jedoch die Harmonien und Melodik jenseits von krummen Blastbeats, Retro-Streicher-Arrangements, theatralischen Growls und psychotischen hakenden Riffs frei, arrangiert die Stücke neu – so dass etwas weniger als 50 Minuten des Imperial Triumphant–Katalogs plötzlich dazu fähig wären, angenehm konsumierbar die neoklassizistisch begleitende Untermalung für die nächste kultivierte Matinee-Gala zu stellen.
Die dafür vermessene Distanz zu den Originalen ist freilich das offenkundig spektakulärste hier. Doch eigentlich zählt, dass den Songs kein Korsett der Gefälligkeit angelegt wird. Nahezu alle Phasen der Imperial Triumphant‘schen Diskografie finden hier im spannenden Fluß auf eine Ebene, berieseln freilich hintergründig, wenn man sie passiv einsetzen will, faszinieren aktiv jedoch bar jeglicher Easy Listening-Harmlosigkeit: Das überragende (demnächst auch als Graphic Novel verfügbare) Merkurius Gilded stammt von Spirit of Ecstasy (2022), Gotham Luxe und Swarming Opulence von Vile Luxury (2018 bzw. der Redux-Variante von 2024); Rotted Futures (aus dem 2020er-Durchbruchswerk Alphaville) steht nunmehr ansatzlos neben dem 2014er-Shrine to the Trident Throne-Track Crushing the Idol.
Wie abseitig die (aufgrund der Inszenierung vermeintlich einfach auszurechnende) Lage dabei ist, wird spätestens am Ende überdeutlich, wenn Blanco F# Minor Fugue von Johann Sebastian Bach interpretiert – und sich das Klassik-Stück zwar ästhetisch nahtlos an das eigene Material auf Imprints of Man anhängt, inhaltlich aber so viel friedvoller, runder, versöhnlicher und zugänglicher erscheint.


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