The Cribs – Selling a Vibe

von am 22. Januar 2026 in Album

The Cribs – Selling a Vibe

Brothers Won’t Break, fürwahr: Die drei Jarman-Brüder beenden mit ihrem neunten Studioalbum Selling a Vibe über fünf Jahre nach Night Network ihre bisher längste (nur bedingt unterbrochene) Plattenpause.

Geändert hat sich seitdem wenig, auch wenn Gary, Ryan und Ross nach dem in Eigenregie aufgenommen, jedoch in kommerzieller Hinsicht enttäuschenden Vorgänger diesmal wieder mit einem Produzenten zusammenarbeiten. Der sich unter anderem durch Tätigkeiten für Caroline Polachek, Ellie Goulding oder Paloma Faith einen Namen gemacht habende Patrick Wimberly soll mit seiner Pop-Prägung für die nötige kreative Reibung sorgen, um The Cribs aus ihrer angestammten Komfortzone zu holen.

Das passiert, man kann beruhigt sein, allerdings höchstens im überschaubaren Ausmaß und verwässert den Charakter der Band nicht: Auf Selling a Vibe fängt die Band ihren Indie Rock vielleicht etwas sauberer aufpoliert als sonst ein, spielt ihn ansonsten aber gewohnt lässig, typisch nonchalant und überasschungsfrei eingängig wie immer. Ganz so also, als wäre die Sehnsucht nach der Szene der 00er-Jahre keine abgestandene Nostalgie, sondern ein müheloses Momentum.

Nach dem starken Einstieg mit Dark Luck überzeugt vor allem das rundum tolle (und letztlich auch ein Aufrunden der Bewertung gerade noch zulassende) Single-Trio aus A Point Too Hard to Make (ein Fixstarter in aktuellen Genre-Playlisten), (dem munter und flott im The Smiths-Jangle Spaß machenden) Never the Same sowie Summer Seizures (einem Singalong, der mit zwingenderer Haltung eine Hymne hätte werden können), bevor Looking for the Wrong Guy sich als plätscherndes Herzstück die Zeit für einen synthetischen Astral-Rahmen nimmt.

Weil die Band einfach kann, was sie tut, ist es dann auch leicht verschmerzbar, dass der zweiten Platte-Hälfte danach die Luft ausgeht – viel bleibt da nicht mehr hängen.
Gut, das von Gordon Raphael produzierte You’ll Tell Me Anything schielt gelungen zu den Strokes und gönnt sich auch markante Operetten-Schraffuren; Distractions ist wie alles hier wirklich nett und Brothers Won’t Break zumindest dem Titel nach eine zuversichtlich in die Zukunft der Cribs blickende Ansage, mit der das für den Augenblick kurzweilig, harmlos und charmante unterhaltende, mittelfristig jedoch bald vergessene Selling a Vibe den Spannungsbogen verdient schließt.

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