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The Wombats – Fix Yourself, Not the World

Ausgelutschter Indierock mit substanzlosen Kalenderspruch-Plattitüden: Fix Yourself, Not the World nennt die Band aus Liverpool ihr fünftes Studioalbum, kurz bevor sie ihre eigenen NFTs zu verkaufen beginnt.

Solche Aktionen sind mittlerweile nötig, weil der seit This Modern Glitch laufende Autopilot der Wombats im synthetisch angereicherten Formatradio-Indie Rock diesmal sogar noch weniger musikalische Reize setzen kann, als etwa auf Glitterbug oder Beautiful People Will Ruin Your Life: Mit If You Ever Leave, I’m Coming With You gelingt dem britischen Trio diesmal schließlich auch nur noch eine dieser schmissigen Singles, für die The Wombats mit etwas Wohlwollen und niedrigen Ansprüchen bisher eigentlich immer gut waren – und selbst besagtes Stück ist trotz seiner Texte („You know I’ll do whatever you want me to/ Throw a banquet in a moshpit/ I’ll get out of bed, stop listening to Radiohead“) eigentlich unmittelbar wieder vergessen.

Ansonsten lassen sich auf der Habenseite aber nur noch das erst schön gefühlvoll zurückgenommene, ruhige Method to the Madness (das exemplarisch unverbindlich nicht zum Punkt findet, selbst wenn hinten raus mangels Inspiration einfach die Verstärker gedrückt werden) oder der im Hall aufgelöste Appendix Fix Yourself, Then the World (Reach Beyond Your Fingers) verbuchen, der als stimmungsvolles Quasi-Interlude aber auch komplett in der Luft hängend entlassend das miese Pacing des praktisch nicht vorhandenen übergeordneten Spannungsbogens von Fix Yourself, Not the World unterstreicht.

Es ist eh recht nett, wenn etwa Flip Me Upside Down seinen Refrain mit ordentlich knubbeligem Tempo und Endorphinen pumpen soll, oder This Car Drives All by Itself als nicht unangenehmer Tänzer mit seinem uninspirierten, übersättigenden Refrain zu oft hausieren geht. Selbst hier erzeugen The Wombats jedoch einfach kein Interesse am Wiederhören, alles ist glatt und kalkuliert und ein öder Aufguss der bisherigen Werke. Zudem erschöpft sich die Gruppe 2022 an banalen Melodien und Hooks, die gerade die zweite Plattenhälfte flächendeckend mit vollkommen teilnahmslos entlassenden Füllmaterial zukleistert: People Don’t Change People, Time Does und Everything I Love Is Going to Die sind etwa absolute 08/15-Langweiler, Work Is Easy, Life Is Hard plätschert mit mehr Elektro-Club-Mentalität und Wildfire ist eine funky gemeinte Egalität mit catchy Refrain: in einigen wenigen Momenten der aufgefahrenen 41 Minuten verstrahlen The Wombats ihren Charme immer noch. Don’t Poke the Bear nervt derweil mit billigen „Uhuu“-Animation, bevor Worry als zweckdienlicher Baukasten für gute Laune sorgen soll und den Albumfluß irritierenderweise neu ankurbelt.

Als loyaler Fan kann man sich danach zwar eventuell damit trösten, dass eigentlich nur das wohl dynamisch gedachte Ready for the High (ein Clusterfuck aus heavier drückenden Passagen, androgynem Stacksen und einer Schlaftablette von einem bassgroovenden Chorus, der irgendwann sogar noch blutleere Bläser-Imitate auspackt) einen wirklichen Ausfall im Gefüge darstellt – allerdings auch nur, weil der Rest eben einfach zu austauschbar ausgefallen ist, um einen tatsächlich negativen Eindruck jenseits des unfassbar mediokren Genre-Klischees zu hinterlassen. Weswegen man der Band nicht den nostalgischen Bonus streichen muß, aber (dennoch (erstmals) wirklich enttäuscht von den Wombats sein dürfte, wenn Fix Yourself, Not the World soviel emotionales Engagemnet zulassen würde.

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