The Wombats – Glitterbug

von am 9. April 2015 in Album

The Wombats – Glitterbug

Die Konzeptgeschichte hinter ‚Glitterbug‚ kann man getrost ignorieren: In erster Linie funktionieren The Wombats mit dem auf ‚The Modern Glitch‚ installierten, synthielastigen Indierock abermals auf risikofreie Art als aufdringlich-eingängiges Singles-Fließband.

Um den Kniff mit der angeblichen Melancholie im Subtext und der zwingend-ausgelassenen Tanzbarkeit im dritten Anlauf ein wenig erwachsener und tiefgründiger zu gestalten, hat sich Matthew Murphy diesmal eine (so fiktive wie unerfüllte) Liebesklamotte zwischen englischem Jungen und LA-Girl zurechtgestrickt, die ‚Glitterbug‚ nun in den vage bleibenden Lyrics zur Gänze durchzieht.
Nicht nur, weil es entlang dieser zugrunde liegenden Geschichte aber nur ein Katzensprung von Zeilen wie „Is it such fantasy that I should think someone like you could love a creep like me?“ zu kaum subtilen Feststellungen ala „There‘s no greater sight than you in your underwear removing mine“ und „It’s tough to stay objective, baby/ With your tongue abseiling down my neck“ ist, lässt sich der theoretisch vorhandene Story-Überbau allerdings problemlos ausblenden. Denn was bei den Wombats ohnedies immer schon am wichtigsten war, ist die unter dem Strich übrig bleibende Masse an charttauglichen Singles und gnadenlosen Ohrwürmern.

Den direkten Vorgänger in dieser Hinsicht zu übertreffen scheint in letzter Konsequenz dann auch die tatsächliche Ambition hinter ‚Glitterbug‚ darzustellen. Macht das Drittwerk doch auch stilistisch anstandslos dort weiter, wo ‚The Modern Glitch‚ vor vier Jahren mit einem Plus an elektronischen Klängen und neongrellen Synthies den Sound von ‚A Guide to Love, Loss & Desperation‚ umschichtete, wenngleich es dabei jedoch versucht, das auf dem 2011er Werk etwas schief geratenen Verhältnis aus hochinfektiösem Hits und nett ausschmückendem Beiwerk mittels einer bisweilen ermüdenden Formelhaftigkeit und einer für das Formatradio unerbittlicheren Effizienz geradezurücken.
Soll heißen: das von ‚Bankrupt!‚ auf den Dancefloor stampfende ‚Greek Tragedy‚, ‚Your Body is a Weapon‚, mit seinem minimal bratenden Gitarren, und das unkompliziert jeden Gelegenheitshörer ins Boot holende ‚Give Me a Try‚ bleiben einerseits eventuell die Sternstunden der Platte und haben dazu als auserkorene Vorabsingles verdeutlicht, dass die Wombats ihr Songwriting entlang von Two Door Cinema Clubschen Trademarks und vor allem der Passion Pit-verliebten Hochglanzproduktion weiter in den Schatten von Phoenix getrieben haben – im Grunde hätten diesen Vorbotenjob aber andererseits auch sieben der restlichen acht aufgefahrenen Album-Songs ähnlich mühelos übernehmen können.

Bis auf das (trotz R&B-Vocoder) farblos bleibende, den Albumfluss aber dankenswerterweise durchatmen lassende Balladenintermezzo ‚Isabel‚ und den regelrecht nachdenklich Größe andeutenden Schlusspunkt ‚Curveballs‚, marschiert ‚Glitterbug‚ nämlich zur Gänze in genau der selben Gangart ohne große Variationen in Tempo oder Herangehensweise vonpotentiellen  Singlekandidat zu potentiellen Singlekandidat.
Was zu bombensicheren Genrevertretern wie dem charmant-schillernd in die Beine fahrenden Opener ‚Emoticons‚, der pulsierenden 80er-Vision ‚Headspace‘ mit seiner erschöpfenden Chorus-Repetition, dem stimmungspushenden Partysmasher ‚This Is Not a Party‚ oder drückenden Festivalraketen der Marke ‚English Summer‚ führt – allesamt haarscharf an der Grenze zur selbstverliebten Penetranz agierend: allesamt absolut zielstrebig in ihrer Zweckmäßigkeit. Die Unterrichtsstunden rund um zündende Melodien und unmittelbar packende Hooklines haben die Wombats niemals geschwänzt, das dabei erworbene Wissen arbeitet das Trio nun eventuell sogar treffsicherer denn je für sein immer breiter werdendes Zielpublikum ab.

Wo sich die beiden Vorgänger dabei aber beide mit äußerst überschaubarer Halbwertszeit ausgestattet erst nach und nach mittels Heavy Rotation in die kurzweilige Bedeutungslosigkeit verabschiedeten, übersättigt das unvariabler bleibende, allzu mustergültig auf der Suche nach dem makellosen Popsong wandelnde ‚Glitterbug‚ noch einmal deutlich schneller, gibt sich als Party-Playlistenabonniertes Feuerwerk weniger vielseitig und rundum satter. (Im Nachhinein ist es insofern durchaus interessant, wie gut die gitarrenlastige Dringlichkeit von ‚A Guide to Love, Loss & Desperation‚ die Austauschbarkeit der Band kaschieren konnte).
Während der hier versammelten 40 Minuten, die einzig das Momentum im Auge haben, fällt dies freilich ebenso gering ins Gewicht, wie ein einst so abschätzig beäugter Rom-Com-Überbau: Da zählt dann nur, dass The Wombats dem irgendwo exemplarischen Albumcover folgend mit mehr Schein als Sein ihren perfektionistischen Unterhaltungswert an der Oberfläche zementieren.

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