U2 – Easter Lily

von am 6. April 2026 in EP

U2 – Easter Lily

U2 klingen endlich wieder nach U2. Und die dazugehörigen Songs der – nur wenige Wochen nach dem Überraschungs-Coup Days of Ash veröffentlichten – Easter Lily EP sind auch alles andere als übel!

Damit sich der zuletzt forcierte qualitative Aufwärtstrend der irischen Band fortsetzt, stimmt in erster und wichtigster Linie also der Sound – er vermittelt unmittelbar und flächendeckender wieder ein U2-Signature-Feeling, wie es zumindest die drei Songs of… Alben von 2014, 2017 und auch 2023 so nicht konnten.
Dafür essentiell sind vor allem zwei Faktoren: Einerseits auch, dass Messias Bono ungezwungener intoniert als zuletzt. Mehr noch aber andererseits, das The Edge wieder seinen patentierten The Edge-Trademark-Klang für das Gitarrenspiel entstaubt hat.

Wobei diese These gleich eingangs auf den Kopf gestellt wird. Immerhin übernimmt bei Song for Hal („a COVID-19 lockdown lament, written for the band’s friend, the music-maker, Hal Willner, who would have turned 70 on Easter Monday and passed away almost 6 years ago to the day“) The Edge den Gesang. Was so ohne Zusatzinfo (die dann rückwirkend doch erkennbar Unterschiede aufzeigt) nicht unbedingt auffallen müsste – wie deckungsgleich seine Stimme hier mit der von Bono klingt, ist nämlich erstaunlich.
Dennoch gibt der Opener die Ausrichtung der Easter Lily EP vor. Mit einer entspannten, sanftmütigen Aufbruchstimmung schwelgend, auf eine unverbindliche Weise sehnsuchtsvoll und latent hymnisch – wie eine B-Seite der späten 90er und frühen 00er Jahre, die lieber zurückgelehnt die angenehme Hintergrundbeschallung mit Basis-Klasse macht, als sich zum überkandideltenStadion-Pathos zu zwingen. Und so eine Bescheidenheit wiederfindet, die man dem Quartett nicht mehr zugetraut hätte.

Dass den Nummern bei aller nostalgischen Sound-Liebelei ein wenig mehr Druck gut getan hätte, als die Jacknife Lee-Produktion sie erzeugen will, legt zwar das die Bewegung der Platte mehr als grundsolide fortsetzende In a Life nahe. Im Umkehrschluss ist da aber auch eine rundere Homogenität, die Days of Ash so noch abgegangen war und die nun selbst Resurrection Song, das wie eine schimmernde, simpel gestrickt polternde 08/15-Radio-Gefälligkeit von Coldplay angelegt ist, mit einer leichtgängigen Nonchalance ausstattet. Bodenständig und sympathisch gar. Und unaufdringlich catchy.

Chris Martins Band bleibt übrigens auch sonst die stärkste von Easter Lily hervorgerufene Assoziation abseits der eigenen, klassischen U2-Diskografie.
In Easter Parade sogar noch mehr als im (durch ein zurückgelehnt wirbelnde Rhythmussektion akzentuierten) Scars, obwohl hier ein markanter Bass eher an aktuelle Elbow erinnert, während Bono und Co. eine feierliche Ausgelassenheit an den Tag legen, die auch am schlicht und einfach schönen Ambient interessiert ist.
Diesen Hang leben U2 aber erst im abschließenden COEXIST (I Will Bless the Lord at All Times?) mit Brian Eno auf beinahe sakralem Wege aus: Bono wechselt geschmeidig zwischen Spoken Word-Anleihen, einer halb gesungenenen Hook (die sich als erstaunlich Ohrwurm-sicher erweist) sowie dem Einsatz eines Bon Iver‘esken Vocoder, der der sich viel Zeit und Raum nehmenden messianischen Elegie angenehmerweise keinerlei Zeitgeist-Prätentiösität aufdrängt, sondern die Atmosphäre stimmig vertieft.
Und den Eindruck so unspektakulär qualitätsbewusst festigt, dass wir uns hierbei womöglich mittendrinnen in der Renaissance der vierköpfigen Gruppe befinden könnten.

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