Westside Cowboy – So Much Country ‚Till We Get There

von am 23. Januar 2026 in EP

Westside Cowboy – So Much Country ‚Till We Get There

Westside Cowboy können das Niveau der ihren Titel zu Recht tragenden Debüt-EP This Better Be Something Great aus dem Vorjahr (die an dieser Stelle ja schmachvoll übersehen wurde!) mit So Much Country ‘Till We Get There nicht ganz halten.

Das geht aber schon klar, zeigt doch vor allem der Mittelteil des zweiten Kurzformats des britischen Quartetts, dass Indie Rock aus der gefühlt mindestens dritten Windmill Scene-Welle immer noch frisch, motiviert und unverbraucht klingen kann – gerade, wenn man ein Händchen für gutes Songwriting hat.
Can’t See geht flott und zügig nach vorne, bedient das Momentum (gerade im mehrstimmigen Gesang) nicht erst auf den letzten Metern sehr catchy. Don’t Throw Rocks treibt die Slacker-Alt Country-Attitüde von Westside Cowboy scheppernd sogar noch besser auf die Spitze, weil eine heroisch heulende Noise-Bereitschaft als Belohnung wartet, derweil The Wahs munter und ausgelassen rumpelt.
Eingängig, unspektakulär, aber mit einer so vielversprechenden Substanz, die keine Sekunde zu viel beansprucht und auch deswegen weiterhin so deutlich über dem Genre-Durchschnitt stattfindet.

Das Highlight von So Much Country ‘Till We Get There ist dennoch der Rahmen des 15 Minuten kompakten Kurzformates.
Eingangs durch das folkloristisch aus Zeit gefallene, getragen in den Windschatten von Adrianne Lenker sinnierende Strange Taxidermy, das auf Aoife Anson O’Connell in der Hauptrolle zugeschnitten lange zurückhaltend bleibt, bis der Opener stampfenden aufblüht (und streng genommen für sich alleine stehend verpufft). Und Ausgangs ist da In the Morning, das den Spannungsbogen gemütlich am Lagerfeuer sitzend an Big Thief denkend absolut stimmig löst.
This Better Be Something Great ist zu diesem Zeitpunkt längst ein ambivalenter Zankapfel für seinen Nachfolger. Weil das Material von So Much Country ‘Till We Get There generischer ausgerichtet einerseits nicht mit jenem aus dem Vorjahr mithalten kann, gleichzeitig aber die damals ausgelöste latente Euphorie erfolgreich mitnehmen kann.

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