Whitney – Forever Turned Around

von am 3. September 2019 in Album

Whitney – Forever Turned Around

Whitney haben mit Forever Turned Around im Grunde ihr gefeiertes Soul-meets-Folk-Indiepop-Debütalbum Light Upon the Lake kurzerhand ein zweites Mal aufgenommen (und es damit gewissermaßen zum dritten Mal veröffentlicht). Was sich nach anfänglicher Ernüchterung als durchaus vertretbare Idee erweist.

Vor der praktisch absolut identischen Atmosphäre (rund um die entspannte Stimmung und das polarisierende Bee Gees-Gedächtnis-Organ von Falsettdrummer Julian Ehrlich, die betont soft-kalifornische Melancholie und warme Nostalgie der Real Estate‘esk gezupften Gitarrennummern mit ihren kammermusikalisch anschmiegsamen Bläser- und Streicher-Arrangements) ist es letztendlich die neuerliche Qualität der dezenten Songs, die den Ausschlag für die anhaltende Sympathie geben. Obwohl diese über den Erstkontakt mit Forever Turned Around hinausgehend eben wie verdammt unspektakuläre Déjà-vus ohne die vordergründige Hittauglichkeit des Erstlingswerkes anmuten können.
Als leichte Soundtracklieferanten für den milden Spätsommer im angenehmen Sonnenschein kriegen einen Whitney allerdings trotzdem wieder.

Das nett schunkelnde Giving Up erzeugt unweit der Saxophones ein catchy 70s-Flair mit fast schon jubilierend-schmusender Geste, das fürsorgliche Used to Be Lonely nimmt als vorsichtige Erinnerung nur langsam an Fahrt auf, cruist dann aber umso gelöster relaxt am Meer entlang. Before I Know It gibt sich rhythmisch etwas rumpeliger und flirtet mit dem Country, bevor Song for Ty das Spektrum aufräumt, entschleunigt zur entwaffnend-schönen Single schippert und die doch ziemlich stark abholzende Eingangsphase beschließt.
Zumindest kann das nächste Drittel das Niveau nicht ganz halten, plätschert über die einfallslose Egalität Valleys (My Love) in eine Phase die zeigt, dass ohne die richtigen Melodien schnell eine autauschbare Gefälligkeit droht. Das smart groovende Instrumental Rhododendron will aus dem Zeittunnel kommend so für mehr Raum sorgen, wirkt aber ohne zündende Idee eher wie eine unfertige Skizze. My Life Alone verwaltet als solide Nabelschau den Signature Sound der Band routiniert, kann ihm dann aber expliziter als die restlichen Nummern eben auch gar nichts essentielles hinzufügen.

Das alles trotzdem irgendwo alles nonchalante, anachronistische Ohrwürmer. Vielleicht eine Spur zu gleichförmig und zur Mitte hin eben auch medioker agierend. Aber als zufriedenstellende Fortführung der Whitney-Formel smooth und beruhigend, sanft und elegant, trotz einer inneren aufgewühlten Rastlosigkeit in den Lyrics stets in der hauseigenen Wohlfühlzone schwelgend.
Im Kontrast zu seinem Auftreten erweist sich das sanftmütige Forever Turned Around im Gegensatz zum relativ direkt einnehmenden Light Upon the Lake zudem sogar als fast schon subversiv wachsender Grower im Signature Sound, über den hiernach ohne künftige Modifikationen aber auch alles gesagt sein dürfte. Letztendlich ist der wohl smarteste Move der Platte insofern jener, sich mit einem rundum starken Schluß zu verabschieden.
Day & Night funkelt dort als besonders intim und organische Wohltat mit seiner tollen Gitarrenarbeit, während die schlurfende Liebenswürdigkeit Friend Of Mine überlegt ausreitet und der überragend romantische Titelsong dann das Herz ohne Wenn und Aber in aller verträumter Niedlichkeit aufgehen lässt. Spätestens dann blickt man der Whitney-Zukunft trotz aller aktueller Stagnation doch irgendwo optimistisch entgegen.

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