Woe – Legacies of Human Frailty

von am 12. Januar 2026 in Album

Woe – Legacies of Human Frailty

Kein redundanter Müßiggang, sondern das Nutzen von Optimierungspotential: Die wieder zu einer (neuen) Band gewordenen Woe verpassen Legacies of Frailty mit Legacies of Human Frailty ein Update. 

War das 2023-Werk ein von Chris Grigg während der COVID-Pandemie beinahe im Alleingang erschaffenes Album, baut Legacies of Human Frailty, dem Titel entsprechend seine in personaler Hinsicht menschlich gewachsene Quelle anzapfend, auf die neue Besetzung von Woe: Neben Grigg (Gitarre, Vocals, Synth Programming) speisen nun Bassist John McKinney, Gitarrist Matt Mewton sowie  Drummer Michael „Megaton“ Kadnar das (ein klein wenig neu geordnete, indem das vergleichsweise kompakte Scavenger Prophets nun den direkt zur Sache kommenden Opener machende) Songmaterial.
Jene von den dünnen, pappig schneidenden Lo-Fi-Wurzeln des Black Metal geprägte Ästhetik des zwei Jahre alten Originals wird nicht getilgt. Eine eisige, archaische Rohheit bleibt spürbar – und die gravierenden Unterschiede bleiben genau genommen auf nuancierte Ebene beschränkt. Doch indem beispielsweise das Schlagzeugspiel raffinierter oder der Synth-Einsatz pointierter gelingen, die Arrangements generell vielschichtiger texturiert mehr Details zulassen, ist die Energie von Legacies of Human Frailty eine ganz andere.

Die neu formierten Woe bündeln den wütenden, animalischen Trieb der Kompositionen in einem primitiven Simplizismus mehrdimensionaler, inszenieren ihn ohne Bombast mächtiger und monumentaler, epischer. Dass der Sound etwas unverbindliches hat, seine Zähne weniger in die Aggression als in die Atmosphäre schlägt, passt zur Mutation und Kraft der Platte.
Entlang der mal aufgeregt, beinahe dramatisch skandierenden und dann wieder harsch growlend-keifenden Vocals entwickeln die Melodien bisweilen eine regelrechte Wikinger-Mentalität: The Justice of Gnashing Teeth hat eine mystische, fast sakrale Patina und Shores of Extinction zelebriert seine malerisch Melodramatik.
Im Zweifelsfall ist die überarbeitete Version damit einfach anders, als das Ursprungswerk. Doch subjektiv stimmt auch, dass Legacies of Frailty zwar schon (bisweilen sehr) gut war, Legacies of Human Frailty aber flächendeckend (und gerade im Woe-Kontext) nochmal um das kleine Quäntchen besser ist.

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