Young Widows – Easy Pain

von am 5. Juni 2014 in Album

Young Widows – Easy Pain

Nach dem beruhigteren Durchatmen auf ‚In and Out of Youth and Lightness‚ verheiraten Young Widows ihren fiebrigen Noiserock umso heavier mit der Aggressivität des Post-Hardcore zu einer träge walzenden Melange, die nur im Titel Platz für Humor findet: ‚Easy Pain‚? – von wegen!

Für eine gar nicht so kurze Dauer erweckt das vierte Album der Unruhestifter aus Louisville, Kentucky sogar den Eindruck, die Kurzzeit-Labelkollegen Daughters hätten es doch noch einmal ins Studio geschafft. Freilich nicht mehr derart durch die eigene Grindcore-Vergangenheit geprägt, sondern von Noiserockgöttern ala The Jesus Lizard geleitet und Post-Hardcore-Brödlern wie These Arms Are Snakes eingeschult – aber alleine die Stimme des nunmehr zum alleinigen Vocaldompteur aufgestiegenen Evan Patterson (Nick Thieneman Gebrüll wurde nahezu restlos verbannt) weckt doch immer wieder Erinnerungen an Daughters-Chefgreiner Alexis Marshall: als würde Josh Homme das sexy Verruchte gegen streunend Psychotisches eingetaucht haben. Nicht die einzige gedankliche Querverbindung zu den Queens of The Stone Age: wenn das mächtig röhrende ‚Bird Feeder‚ oder das mahlende ‚King Sol‚ ihren drückenden Groove auspacken kann man sich durchaus vorstellen wie die zerschossensten Momente der Steinzeitköniginen klingen würden, wenn die Gang nicht in der sengenden Wüste, sondern einer grindigen Folterkammer gezeugt worden wäre.

Dabei ist man geneigt ‚Easy Pain‚ zu jenem Zeitpunkt des Albumverlaufs bereits als regelrecht zugänglich zu bezeichnen. Richtiger wäre freilich: man hat sich im Laufe der Spielzeit daran gewöhnt, dass Young Widows ihren Rock so garstig und schleppend als möglich malträtieren, vor allem in der Eingangsphase die Synapsen enorm kratzbürstig abschrecken: das schnepfende ‚Godman‚ lauert fies gegen den Strick gebürstet, ‚Cool Night‚ ist ein brütendes, dampfendes Eckelpaket – das aufgeriebene Gitarrenspiel hat trotzdem immer etwas hymnnisches, die in Schutt und Asche gelegten Melodien etwas anziehendes: Young Widows peitschen das Geschehen beinahe fürsorglich aus. Danach sind die Fronten geklärt, weswegen das Trio Raum findet das Geschehen mit geschickt gesetzten Akzenten aufzulockern. Die erste Single ‚Kerosene Girl‚ rockt deswegen verdammt straight nach vorne, während Patterson beängstigende Stalker-Versprechen an die Eingangstür hämmert, ‚Doomed Moon‚ wagt den Spagat zwischen Soundscapeflecken und Stakkato-Noise-Attacken und landet damit in der Nähe dessen was der Band als Ballade durchgehen könnte – das gepresste „Carry You home“ klingt über dem verschleppten Rhythmus in diesem Kontext dennoch als Drohung.

Gift of Failure‚ arbeitet als doomige Walze mit fettem Groove und gemeinen Widerhaken, die im Abgang noch Gefallen an oszillierenden Math-Gitarren und einer gegen die Erwartungshaltung brandenden Eruption findet, und auch ‚The Last Young Widow‚ ist ein Math-Spielball, den Young Widows genüsslich in seiner Monotonie ausbluten lassen um dann am Zenit einen Berserker aus der Struktur platzen lassen.
Ganz am Ende haben einen Young Widows dann gar soweit von einem versöhnlichen Finale zu sprechen, weil ‚Easy Pain‚ hinten raus tatsächlich entgegenkommender ist als zu jedem sonstigen Zeitpunkt, wenn das zurückgelehnte ‚The Money‚ ein regelrecht versöhnliches Grinsen erkennen lässt und die Band  für ‚In My Living Room‚ im Bulldozer über eine Glockenspiel-Ambientwiese gen Swans-Territorium poltern. In diesen Augenblicken wird auch klar dass ‚In And Out Of Youth And Lightness‚ die um Nuancen stärkere Platte war, vielleicht auch, weil man ‚Easy Pain‚ praktisch niemals laut genug hören kann, die Songs nach einer erschütternden Live-Körperlichkeit verlangen, den Magen auf Tonträger konserviert nie am Limit umdrehen. Dennoch: immer wieder profitieren Young Widows von der grandios pumpenden, schmutzigen und druckvollen Produktion, der klaustrophobisch verstörenden Atmosphäre drumherum. Wem White Suns‚ Manifest ‚Totem‚ nicht entlohnend genug war sollte deswegen hier nach seiner Platte des Jahres weitersuchen.

07

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