AC4 – Burn the World

von am 3. Mai 2013 in Album

AC4 – Burn the World

Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Refused-Reunion alles andere als eine seelenlose Gelddruckmaschine geworden. Das Thema Vergangenheitsbewältigung wird jedoch nicht vorschnell zu den Akten gelegt:  Dennis Lyxzén verschafft sich auch ohne dem ausgestiegenen David Sandström mit einigen Kumpels aus Umeå auf dem zweiten AC4-Album in jenen Hardcore-Gefilden Luft, für die er nach ‚Songs to Fan the Flames of Discontent‚ derart unkompliziert aufdrehend sonst nur noch auf ‚AC4‚ von 2009 Muse fand.

AC4 spielen schlichten, direkten, unterhaltsamen Hardcore. Nur noch besser: die Band aus lokalen Szenegrößen Schwedens (bei Lyxzèn aktuell natürlich: The (International) Noise Conspiracy, Invasion und Instängd; daneben unter anderem aber auch: DS-13, Step Forward, Regulations, E.T.A, und The Vectors) haben ihn auf ‚Burn the World‚ förmlich verinnerlicht. Die Helden des damals noch adoleszenten, vor Wut kochenden Dennis Lyxzèn, sie schimmern nicht nur durch jede Pore der aufgefahrenen Attacken aus Drei-Akkord-Riffings und turbulent purzelnden Punkrock-Rhythmen, aus der puren Spielwut der knackig randalierenden songgewordenen Granatsplitter hier: dass Legenden wie Dead Kennedys oder Minor Thread hier unverkennbar und prägend Pate gestanden haben kann und will selbst die zwischen charmantem Rotz und knüppelnder Dichte pendelnde Produktion gar nicht kaschieren. Keine Frage: was ein (zugegebenermaßen deutlich älterer) Keith Morris mit Off! immer noch kann, dem steht auch Lyxzèn kaum nach: der unmittelbare, unheimlich energische Transport der Spielfreude an harter, nach vorne gehender Musik. Ambitionierten Jungspunden wie Cerebral Ballzy stecken AC4 ohnedies locker in die Tasche.

Was die Schweden von der Masse abhebt: ‚Burn the World‚ ist sich seiner Idole bewusst aber dennoch weniger Kopie als gezielt inszenierter Tribut mit absolut eigenem Charakter. Dafür sorgt alleine das berstende Organ Lyxzens. Wo andere also bloß Idolen nacheifern und Standarte imitieren, hauchen AC4 ihre anachronistisch auf die zwölf gehenden Sprinter derart glaubwürdig Leben ein, als gelte es die Hey-Days des immer modernen Genres zu zelebrieren. ‚Burn the World‚ klingt so stets hungrig, motiviert und dringlich.
Wer da die ausgefuchste Progressivität von Refused oder die poppige Hymnenhaftigkeit von The (International) Noise Conspiracy sucht, den wird derart unumwunden zelebrierte Unmittelbarkeit wohl vor den Kopf stoßen: 16 Songs in knapp 30  Minuten – keine Schnörkel, kein Fett, keine Langeweile. Für die nötige Abwechslung im rasenden Rausch sorgen Kleinode wie ‚Bullet‚, in welchem AC4 ihr absolutes Melodiegespür unter Beweis stellen können oder ‚Diplomacy is Dead‚, dieser mit knapp 200 Sekunden längste, regelrecht exzessiv ausartende Jam. im hastigen ‚Who’s the Enemy‚ stehen AC4 dann mit mindestens einem Bein im Thrash-Vorzimmer von Municipial Waste.

Was macht es da schon, dass etwa der Titelsong auffällig nahe an Minor Threads ‚In My Eyes‚ aus der Hüfte geprügelt wird? Eben nichts – weil Referenz hier nicht gleichzusetzen mit billigem plagiatisieren gleichzusetzen ist. AC4 haben schlicht die richtigen Vorbilder, die richtige Einstellung (natürlich: sozialkritische und politische Inhalte!) und vor allem auch die richtige Menge an Talent und einwandfrei bedientem Können. Das ist der primitive Stoff, der Lyxzèn den nötigen Freiraum für seine medial stärker beachteten Erfolgsbands verschafft, der das schwedische Hardcore-Aushängeschilf erdet und vielleicht auch schlicht die nötige Glaubwürdigkeit als Punk verschafft. Eine kurzweilige Fingerübung wie man sie sich im Jahr 1 nach der süchtig hinterlassen habenden Refused-Reunion nur wünschen konnte. Letztendlich vielleicht objektiv betrachtet nur eine Fußnote in der Vita von Lyxzèn – aber zumindest eine mit mindestens drei Ausrufezeichen hinten dran.

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