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Adam Miller – Gateway

Adam Miller bündelt mit Gateway einen von seinem typischen Gitarrespiel definierten Ambient-Soundtrack, der den ästhetischen Kosmos der Chromatics jenseits von Johnny Jewel zeigt.

Kein Jahr nach dem unerwarteten Ende der Chromatics kommt Miller (dessen eigene legendäre Szene-Initialzündung mit Soiled Doves man an dieser Stelle einfach mal wieder verdientermaßen in Erinnerung rufen muß!) noch vor Ruth Radelet und Nat Walker wieder in die Gänge.
Und wie elementar – aber neben der medienwirksame Präsenz von Jewel gerne übersehen – der Einfluss von Miller auf die (ursprünglich ja: seine) Band war, lässt sich anhand von Gateway nahtlos rekonstruieren. Immerhin erzeugt das Gitarrenspiel von Miller unmittelbar den Sound und die Atmosphäre der Chromatics, entfernt aber deren neongrelle Italo Disco-Tanzbarkeit und generell klassischer gestrickte Konturen des Songwritings: Gateway ist eine rein instrumentale Sammlung von sphärischen Skizzen, meist rein um Stimmungen plätschernde Träume, mit Sehnsucht und Tiefenwirkung.

Geschlossene Augen lassen das Kopfkino Bilder einer ruhelos-unaufgeregten Einsamkeit erzeugen, düstere Fantasien mit bekümmerter Hoffnung voller nostalgischer Nähe, anachronistisch und auch ziellos, mäandert. Das erzeugte Gesamtgefühl steht über allem – und als derartiger Begleit-Score für den Hintergrund funktioniere Gateway seinem Titel entsprechend absolut einnehmend, auch die theoretischen Schwächen der Platte praktisch aufwiegen.
Denn auch wenn die (gerade hinten raus zu) gleichförmige Grundpalette um das plingende Trademark-Spiel an sich schnell erfasst ist, werden die 41 Minuten des Albums nicht wirklich monoton oder langweilig, sofern man sich auf ihre Wirkungsweise einlässt.

Zumal einige Schattierungen ohnedies für Individualität sorgen. Das kontemplative Geplänkel von Lost Guitar adaptiert etwa in Zeitlupe die Melancholie von The Cure, die Klangfarbe passt perfekt zum Artwork. The Lucky Star liebäugelt in der Fiesta mit der Romantik und Glimmerlight installiert ätherisch Synthies, deren 80s-Reverb im Verlauf noch oft durch die Platte hallen wird – wie etwa in Hidden Entrance oder dem wunderbaren Space-Sinnieren Night Bloom.
In The Names of the Lost startet eine lyncheske Nebelmaschine einen traurigen Trost, während das Titelstück besonders ruhig und in sich gekehrt ausgelegt wird, und Blue Energy einfach betörend warm ausstrahlt – zudem sinnbildlich für die ideal gewählten Songtitel stehend, die das Spektrum dieser homogenen Ambientplatte mit viel Grandezza einfangen. Auch als schlichtweg ideale Orchestrierung, um sich in der Trauer über das Ende der Chromatics schwerelos treibend zu suhlen. Mehr noch aber als unwirklicher Eskapismus.

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