Amenra – Roads

von am 5. März 2022 in Single

Amenra – Roads

Amenra bleiben im Reinterpretations-Fieber: Nachdem sie ihr eigenes jüngstes Studioalbum De Doorn in ein alternativ gemixtes Licht getaucht haben und kurz bevor eine Verneigung mit Cave In sowie Marissa Nadler vor Townes Van Zandt passieren wird, verleiben sich die Belgier den Portishead-Gänsehaut-Klassiker Roads ein.

Der Text von Roads passt aktuell wieder einmal nur allzu beklemmend zur Lage der Welt, während sich Amenra in ihr bereits etabliertes zweites Erscheinungsbild neben der Post Metal- und Atmospheric Sludge-Spielwiese lehnen: Colin H. Van Eeckhout hat aus der orchestral großen Dramatik der Portishead-Nummer ein trauriges Quasi-Solo-Stück gemacht. Der helle Klargesang haucht androgyn am Slowcore, die Acoustic Gitarre schrammt langsam und von Gram gebeugt in die staubige Einsamkeit des Dark Folk und Americana – also dorthin, wo etwa Steve von Till oder Scott Kelly ihre Western-Balladen in die Finsternis klampfen, und eben Amenra selbst immer wieder gerne Coversongs als Nachtschattengewächse züchten.
Obwohl die Nummer mit behutsamen Klopfen am Korpus eine genügsame Dynamik aufnimmt ist das keinesfalls träge, sondern stimmungsvoll und atmosphärisch, intim und verletzlich, ebenso von eindringlicher Eleganz. Allerdings auch etwas gleichförmiger und monotoner als das epische, perfekte Original, das freilich in einer eigenen, unerreichbaren Liga spielt.
Mit ihrem (mittlerweile für ihren Cover-Modus ja schon sehr überraschungsarm prognizierbaren) reduzierten Ansatz verheben sich Amenra allerdings nicht an einer melancholischen Interpretation Roads – und dieser Fakt alleine adelt die Interpretation bei solch einem Ausgangsmaterial als Messlatte durchaus.


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