Ana Threat – Cold Lve

von am 3. Dezember 2016 in Album

Ana Threat – Cold Lve

Ein neo-schamanistisches, von Rhythmen getragenes Album liefert Ana Threat als ihren ersten Langspieler auf Cut Surface ab. Die Genrebezeichnungen Rock‘n’Roll, Exotica, Punk und Doo Wop versprechen in der Presseaussendung genau das, was es ist: ein vielseitiges Machwerk der One Woman Band.

Ana Threat als Schamanin, mit Theremin-Klängen bewaffnet, stürzt die Hörerin und den Hörer in eine Blues-Düsternis aus schwarzer Maske und weißer Spitze, wie schon das Cover-Artwork andeutet. Das dem Album titelgebende Stück Cold Love ist ein Gedicht über Verlangen, Kälte und Feuer, ein verstecktes Liebeslied für den Morgen danach.
Ana als minimalistische One-Woman-Band ist infiltriert mit 60s-Garagen-Irrsinn. Das Stück Johnny Johnny liebt den Fuzz und das Glockenspiel, Ana Threat lässt ihre Gitarre wie einen Geigerzähler klingen und die Stimmung des Tunes erinnert an die Sexualität der Sonics: Kräfte, die unausgelebt blieben und nun rausgelassen werden.

Bei Sleep Sleep hören wir Drums und kleine Tierchen, die uns rhythmisch in schläfrige Trance wiegen. Anas wildes und rohes Timbre lässt bei House Of Wired eine Art Affengesang vermuten, der gerne als Opener für einen Großstadt-Horrorfilm verwendet werden könnte. Wieder Grusel bei Penetration: dem Blues-Wahnsinn eines Screaming Lord Sutch oder Screaming Jay Hawkins verpflichtet und in Kombination mit Garage-Surf, wäre dies wohl der Closing Track für unseren imaginären Horrorfilm.
Bei The Walk Pt. 1 hören wir eine Vielzahl an Stimmen, die ihre Klammer im blechernen Schlagzeug finden. Der Song Dead Moved erinnert an Suicide und ist der tanzbarste des Albums.

The Walk Pt. 2 ist noch ein Liebeslied, aber diesmal mit Theremin-Finish; der Hall, die Orgel und die Shangri-Las sind wichtige Winks mit dem Zaunpfahl: es mag zwar der letzte Song des Albums gewesen sein, aber diese Elemente werden im Hirn noch eine Weile nachklingen.
Live ist Ana Threat ein Erlebnis, das niemand missen sollte. Ana war ihres Zeichens ein Teil des Duos Happy Kids, einer Low-Fi-Größe aus Wien, die dereinst auch erdringliche Performances abgeliefert haben.
Das vorliegende Album funktioniert tatsächlich als wundersamer Soundtrack für einen noch nicht gemachten Film voller Sex, Gewalt, Nebel und Tanzeinlagen.

07

Vinyl LP / Download via Bandcamp |

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