Anna Calvi – Is This All There Is?

von am 29. März 2026 in EP

Anna Calvi – Is This All There Is?

Nach Sunday Light für Help(2) bleibt Anna Calvi im Kooperationspartner-Modus. Leider liest sie sich die auf Is This All There Is? vertretene Gästeliste allerdings spannender, als es die zugrunde liegenden Songs diesmal letztlich sind.

Die stylische Coolness von Peaky Blinders ästhetisch fortsetzend, schmücken die geladenen Hochkaräter vier Nummern von Is This All There Is? eher begleitend aus, als dass sie helfen, ihnen den Knopf aufgehen zu lassen. Was der Atmosphäre zuträglich sein mag, hilft Calvi nicht dabei, mittels unverbindlich bleibender externer Impulse zu den Kernen der Kompositionen vorzudringen, noch erzeugen die Synergien derartige Reibungen, die das Potential aus der Komfortzone reizen.

In God’s Lonely Man lädt die 45 jährige Britin Iggy Pop eine Dekade nach Post Pop Depression dazu ein, stoisch vom kernigen Bass und poltert Groove zu einer coolen Referenz an Spirit in the Sky über die Prärie zu galoppieren – hinten raus durchaus dramatischer werdend.
Für das düster in Zeitlupe pulsierende Cover von I See a Darkness schleicht sich Calvi mit Perfume Genius dagegen in ein Blues-Roadhouse, wobei sich die zischenden und rasselnden und schnipsenden Drums im Jazz-Keller ebenso wohl wie im maschinellen Remix fühlen würden. Die Gitarren behalten sich einen dunklen, voluminösen Queens-Vibe, die im Kontrast zu den theatralisch, sanft und hoch gehauchten Vocals stehen. Ein Synth aus Twin Peaks wäscht über das Szenario, deutet ein Licht am Ende des Tunnels an, doch bleibt die eigenständige, wenngleich ambivalente Interpretation ein Ringen aus Durchhalten und Aufbruch. Reizvoll bemüht.

Computer Love erinnert an Hard Drive. In orientierungslos. Das Schlagzeug schwillt im Hintergrund der Spoken Word-Darbietung an zu der Lautmalerei von Laurie Anderson, deren Stimme von der Ambient-Fläche immer mehr zu einem beschwörenden Chor engelsgleicher Belästigung durch eine bedrängende Präsenz wird. Dass die theoretisch interessanteste Nummer von Is This All There Is? nicht über das Zwischenstück – das praktisch eine ausformulierte Idee darstellt, für sich aber nirgendwohin führt – hinauskommt, ist symptomatisch.
Besser also vollkommen risikofrei arbeiten. Is This All There Is? könnte danach eine bedächtig in Bewegung versetzte B-Seite von I am Easy to Find (2019) sein. Matt Berninger intoniert endlich wieder engagiert und charismatisch, harmoniert gut mit Calvi. Und am Ende steht so eine wirklich nette, harmlose Indie-Ballade mit Ohrwurm-Schwelgen und Bläsern – als würden frühe Arcade Fire in eine offene Landschaft starten, nirgendwo aneckend. Wobei der aufrecht reitende Rhythmus zudem nicht nur sehr schlüssig den Kreis der EP schließt, sondern auch eine optimistische Stimmung hinter dem Horizont der Resignation andeutet. Was mehr als okay ist.

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