Archspire – Too Fast to Die

von am 17. April 2026 in Album

Archspire – Too Fast to Die

Den schützenden Hafen einer großen Plattenfirma hinter sich lassend, setzen Archspire ihr fünftes Studioalbum Too Fast to Die nicht nur wegen personeller Umbrüche einen grundlegend schweren Stand aus, war die bisherige Diskografie der Kanadier doch ein steter Optimierungsprozess, der im direkten Vorgänger Bleed the Future seinen vermeintlichen Idealzustand so nahe wie möglich gekommen ist.

Mit dem Gründungsmitglied Spencer Prewett an den Drums ersetzenden Inferi-Mann Spencer Moore (der seinen Part noch nach den Kompositions-Beiträgen seines Vorgängers eingespielt haben dürfte) ist es eine Crux mit der Erwartungshaltung: Einerseits erfüllt das so ideal betitelte Too Fast To Die diese ansatzlos – und gerade auch eingangs erhofft furios -, andererseits scheitern Archspire genau auch deswegen an dieser.
Immerhin passiert vor allem in der zweiten Platten-Hälfte bis zum Titelsong, der wie ein Einarmiger Bandit zum Epic Power Metal eskaliert, kaum noch etwas, was man so nicht bereits (vor allem eben auf Relentless Mutation und Bleed the Future) gehört hätte – nur bisher eben mit dem Staunen machenden Eindruck, eine immer besser werdende Band zu hören, während diesmal alles ein wenig stagnierend anmutet.

Gut, man kann in der Stafette aus absolut nichts falsch machenden Fanpleasern entwicklungstechnisch wohl attestieren, dass sie den im ständigen Geschwindigkeitskoller rasenden, in seiner Virtuosität immer wieder aufs Neue beeindruckenden Tech Death Metal der ihr Material mittlerweile in Eigenregie releasenden Gruppe generell ein wenig zugänglicher und melodischer angelegt haben, dem Deathcore mit mehr Growls und Pig Squeals näher denn je kommend, und die Vocals vom pointierten Spektakel zum flächendeckenden Wüten ausgedehnt haben.
Dennoch arbeiten sich Archspire dabei in erster Linie zu risikoscheu und überraschungsarm an einer keine eklatanten herausragenden Ambitionen mehr erkennen lassenden Erfolgsformel ab.
Was aber, wie bereits erwähnt, gerade während des eröffnenden Quartetts alles andere als ein Problem darstellt – sondern eher ein weiterhin unerreicht bleibendes Schaulaufen der Extraklasse.

Liminal Cypher spannt den Bogen etwa bereits exemplarisch epischer auf und sorgt mit seiner „eee-u“-stoßatmenden Hook für extreme Schmissigkeit, deutet aber auch an, dass die Reise vom sludgigen Riffs bis zum slammenden Breakdown gehen hätte könnte. Red Goliath nimmt sich den Raum für eine hymnische dichte im bestialisch Strom und lässt allen Instrumente Platz, und Anomalous Descent schiebt neben den üblichen Klassik-Intermezzi auch Gang-Vocals an die Front. Das geht so dermaßen runter wie Öl, dass es die reinste Freude ist!
Inwiefern Archspire mittlerweile irgendwo zwischen der Tatsache, wie verdammt viel Spaß ihre atemlose Hatz weiterhin macht, und dem Umstand, dass sie ihre Tugenden mittlerweile auch schonmal am gimmickhaften Selbstplagiat überhöht haben, ihre Muskeln spielen lassen, wird übrigens in der fantastischen Vorabsingle Carrion Ladder – eine atemberaubende Achterbahnfahrt über das Andenken an Calamus Will Animate – deutlich: Besser kann dies in einer solchen Gangart aktuell eigentlich kaum jemand – und dennoch genügt es nicht, um die gewohnte Begeisterung zu entfachen.

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