Benny Blanco – Hermoso

von am 27. August 2026 in Album

Benny Blanco – Hermoso

Benny Blanco nimmt den unheilvollen Rückenwind der schwachen Liebes-Kooperation I Said I Love You First für ein zweites Soloalbum mit. Das ist nicht Hermoso.. aber auch keineswegs so desaströs, wie nahezu überall behauptet. 

Gut, das aus der Mottenkiste geholte Finale des (mit gerade einmal 17 Minuten Spielzeit fast 5 Minuten kürzer als das Debüt Friends Keep Secrets von 2018 ausgefallene) Zweitwerks ist ein ziemlicher Griff ins Klo. Weil Ay Bendito (featuring Mora und Ovy on the Drums)mit seinem austauschbaren Tembo-Rhythmus fast schon schmerzhaft generisch daherkommt, die fünf Sekunden von Cinco reine Tracklist-Verfälschung und schlichtweg komplett unnötig sind, und das abschließende Degenere (Myke Towers featuring Benny Blanco)sich als nervige Tom’s Diner-Interpolarisation im 08/15-Baukasten gefühlt ewig zieht.

Und ja, ungeachtet der Gäste wie und Co.-Produzenten setzt Hermoso sowieso auf komplett austauschbare Variationen des trendaffinen, zeitgenössischen Latin Pop. Reibungslos und ambitionsfrei, so gefällig wie möglich.
Doch im entspannten Flair ist zumindest die erste Hälfe der kurzen, kompetenten Platte durchaus nett nebenbei zu hören, selbst wenn kompositorisch nichts hängen bleiben will.

Das beginnt bei der Mariachi-Ästhetik von Un poco perdido (mit Neton Vega als Feature) und setzt sich in Te olvido (La la) (mit Selena Gomez & Becky G) fort – quasi als potentielle Kali Uchis-B-Seite für die elegante Strandbar. Joven y salvaje geht dort mit Bb trickz sedativ tanzend zur verhaltenen Club-Annäherung über über, bevor das traumwandelnde Memoria de Paz (mit The Marías) in seiner bittersüßen Melancholie wie eine ätherische Verneigung vor Billie Eilish anfühlt, die im halluzinogen Zeitlupen-Interlude Te Amo transzendierend vergeht.
Soweit wäre das auf Nummer Sicher gehende Hermoso auch eine solide EP geworden, deren Artwork wahlweise am meisten wehtut – oder aber am spannendsten an der ganzen Sache ist. Während Benjamin Joseph Levin also mit Diskussionen über kulturelle Aneignung beschäftigt ist, kann man bei der hiesigen Bewertung insofern schonmal wohlwollend aufrunden.

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