Blink-182 – Dogs Eating Dogs

von am 20. Dezember 2012 in EP

Blink-182 – Dogs Eating Dogs

Dass die ehemaligen Dauerspaßvögel von Blink-182 auch erwachsenere Songs schreiben können weiß man spätestens seit dem selbstbetitelten 2003er Werk. Dass sie ihr Gespür für infektiöse Poppunk-Ohrwürmer auch in der achtjährigen Pause danach beibehalten hat, zeigte dann das gelungene Comebackalbum ‚Neighborhoods‚. Genau dort versuchen die Kalifornier nun mit  ‚Dogs Eating Dogs‚ noch einen drauf zu setzen.

Letztendlich halten Blink-182 den vorgebrachten Qualitätslevel dabei auf ihrer sage und schreibe erst zweiten EP über fünf Songs  hindurch zumindest nahezu problemlos. Das Rap-Feature von Travis Barker-Spezi (und marketingtechnisch sicher auch nicht unwichtiger Faktor: Kollaborationspartener auf ‚Psycho White‚) Yelawolf in ‚Pretty Little Girl‚ ist dabei noch am deutlichsten in die Tonne zu kloppen, das bekommen in dieser Lage nicht einmal The King Blues restlos schlüssig hin. Während in diesen abschließenden viereinhalb Minuten der Fuzzbass aber hart brät und der Beat von einem Bein aufs andere stampft, kommen Blink-182 dem hier immer wieder aufblitzenden Willen zur Weiterentwicklung aber zumindest am zweitnähensten.

Denn dass Blink-182 Songs heutzutage gerne mit Tom DeLonge´s Angels and Airweaves flirten kennt man eben auch schon vom 2011er Album, dass sich das auf ‚Dogs Eating Dogs‚ zumeist nur in pathetische Synthiemomente zu Beginn der Kompositionen samt eingestreuter Keyboardeffekte hier und da manifestiert hat dann zwar doch etwas inkonsequente, weil unterm Strich eben immer knackige Rocker folgen – funktioniert letztendlich aber auch fraglos. ‚When I Was Young‚ gönnt sich nach diesem Muster also ein fettes Orgelintro samt perlender Billig-Klaviertupfer, ist dann plötzlich ein befeuerter Poppunkknaller mit ausladendem Refrain und packenden Melodien; weit entfernt also von den oftmals substanzlosen Spaßbomben der ersten Bandphase, auf seine Art sogar ein nachdenklicher Hit klarer Blink-182-Prägung. ‚Disaster‚ liebäugelt dann ein klein wenig mit ‚I Miss You‚, gönnt sich aber lieber spacige Effekte und eine U2-Gitarre, bevor das eben wieder zum ansteckenden Punkrock mutiert, der in die Breite strebt.

Der Titelsong macht bei diesem die Richtung täuschenden Spiel nicht wirklich mit, geht von der ersten Sekunde an flott ins Rennen, eine catchy Hookline jagt also die nächste, in der Bridge darf dann Barker zeigen was er kann, bevor kurzzeitig sogar Metalriffing den Weg anzeigt. Der am weitesten vom klassischen Schema entfernte Song ist trotzdem ‚Boxing Day‚: Akustikgitarren bleiben hier Akustikgitarren, eine beschwingte Nummer für den Kater nach Weihnachten: verschleppte (natürlich nicht) Konserven-Beats drängen den Song weg vom Folk hin zum schlapfenden Hip-Hop-Gedanken – überraschend wie gut das dem Trio steht. Und natürlich der fünfte Ohrwurm hier. ‚Dogs Eating Dogs‚ hält also das Niveau von ‚Neighborhoods‚, hat dazu den Bonus, sich nicht mit annähernd vielen Mittelklasse-Songs langweilen zu müssen. Dass selbst die besten Momente hier aber keine restlose Zufriedenheit vermitteln und das letzte Quäntchen zur bedingungslosen Begeisterung meistens fehlt ist letztendlich egal. Stellt das in Eigenregie produzierte und vertriebene ‚Dogs Eating Dogs‚ doch die gemeinsame Rückkehr der drei Poppunk-Megaseller (nach dem in loser Zusammenarbeit entstandenen ‚Neighborhoods‚) in ein Aufnahmestudio dar. In dieser überrennenden Euphorie und Aufbruchsstimmung nicht alle Schrauben eng genug gezogen zu haben sei also verziehen. ‚Dogs Eating Dogs‚ zeigt an, dass das Trio sich erst warm gespielt hat und – sofern es sich nicht in erschlagenden Ambitionen verliert – aus dieser Ecke noch mit einigem zu rechnen ist. Bis dahin gibt es eben ersteinmal fünf kleine Hits.

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