Burial – Young Death / Nightmarket

von am 12. Dezember 2016 in EP

Burial – Young Death / Nightmarket

Nach drei Jahren Funkstille endlich wieder eine Burial-Veröffentlichung aus dem Nichts, fast schon tradionell kurz vor Jahreswechsel –  das hat schon einige Male für unerwartete Korrekturen in so machen Bestenlisten gesorgt. Umso ernüchternder fällt das Doppel Young Death / Nightmarket dann allerdings aus – die wohl bisher klar schwächste Songsammlung von William Emmanuel Bevan.

Vielleicht kann man es rückblickend als schlechtes Omen sehen, dass die etablierte Guerilla-Realease-Taktik von Burial diesmal gleich im Vorfeld torpediert wurde: Anstatt mit der zwei Song starken EP aus dem Nichts in die Öffentlichkeit zu platzen, war man durch ein Missgeschick bereits vorgewarnt, dass sich da etwas im Hause des Proto-Dubstep-Pioniers tut.
Aber das Überraschungsmoment ist nun ganz generell ohnedies nicht das Ding dieser für Burial-Verhältnisse relativ kurzen 13 Minuten (geschweige denn dessen Fehlen das eigentliche Problem der EP): Young Death und Nightmarket sind unmittelbar als Burial-Werke zu erkennen, arbeiten pflichtbewusst all die Trademarks des andersweltartigen Elektronikers ab – bleiben dahinter aber (gerade in Anbetracht seiner knappen Spielzeit) ein seltsam unbefriedigend mäanderndes Stückwerk, dass eher nach lose verschweißter, im Niemandsland pendelnder Ergebnisverwaltung klingt.

Wo die direkten Vorgänger-EPs Rival Dealer, Truant / Rough Sleeper, Kindred und Street Halo nämlich nicht nur das kompakte Format als ideale Spielwiese für das Mysterium aus South London etablierten, sondern dem Burial-Kosmos auch stets neue, wohldosierte Facetten injizierten, verweigert Young Death / Nightmarket diesen detaillierten Fortschritt, krankt jedoch primär sogar an seinem bisweilen mühsamen Songwriting.
Young Death speist sich theoretisch aus drei Samples (Koji Kondos Zelda-Arbeit Majora Laugh, dem Funk von Keni Burkes Risin‘ to the Top und einem Dialogausschnit aus Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children) – was man so freilich zu keinem Zeitpunkt hört, da jeder Input von Burial gnadenlos assimiliert wird – und pulsiert mit stiller Zurückhaltung in der Auslaufrille des Plattenspielers, baut minimalistisch arrangiert auf seine tolle Atmosphäre und einen Twist kurz vor Schluss, der etwas willkürlich anmutet, nervt aber vor allem mit seinen penetrant gebastelten, mutmaßlichen Vaterfreude-Lyrics:  „Hey, child/ I will always be there for you/…/Itchy coo„. Obwohl typisch mitternachtsaffin und stimmungsvoll, klingt Burial deswegen zum ersten Mal in seiner Karriere cheesy, kitschig und aufdringlich.

Nightmarket (inklusive Bausteinen von The Mansion von Matt Gray, Return to the Origin von Mike Oldfield und der Ripley Signs Off-Passage aus Alien) hat dann nichts mehr von dieser poppig-plumpen R&B-Eingängigkeit, erweist sich aber mit anderen Problemen ebenfalls als Baustelle. Wie eine zerfahrene Skizze für einen Cliff Martínez-Soundtrack nimmt der Song immer wieder neuen Anlauf, bleibt aber eine enttäuschende Odyssee zwischen ambienter Installation und John Carpenter-Ziellosigkeit. Auch wenn Burial seit jeher gerne Fäden offen lässt und die Sogwirkung des Imaginativen das Kopfkino ankurbelt, wirkt Nighmarket unfertig und fragmentarisch unsauber verschweißt, wie da die Strukturen und Texturen nur vage verschoben werden und vieles oberflächlich bleibt.
Freilich ist das Jammern auf hohem Niveau, weil Burial längst in seiner eigenen Liga spielt und sich nur an seinen eigenen Glanztaten messen muß – aber am Ende steht allerdings nichtsdestotrotz die bisher mit Abstand schwächste Veröffentlichung des Meisters: Keine schlechte 12″, aber sogar in den besten Momenten eine verdammt enttäuschende.

06

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