Starflyer 59 – Disappointed E.P.
Ausnahmsweise wieder im EP-Format: Die shoegazenden Alternative Rocker Starflyer 59 schürfen gar nicht Disappointed an der wilderen Seite ihres Sounds, bleiben aber vor allem eine Genre-Konstante.
An dieser Stelle wird es zugegebenermaßen ja nicht genug gewürdigt, dass Jason Martin und seine Band seit 1993 praktisch unablässig sehr feine Platten veröffentlichen – auch wenn ausgerechnet Dejame Dormir im vergangenen Jahr diesbezüglich etwas polarisierender aus der Reihe tanzte. Aber gut, die Schlaflieder-Variation ist ohnedies als Ausflug abseits des regulären Kanons zu betrachten.
Nun gibt es im direkten Anschluss daran (und passend zum Sidequest-Einschlag) nicht nur nach über einer halben Dekade mit Disappointed wieder einmal einen Kurzformat-Eintrag in die Diskografie – Starflyer 59 schalten stilistisch auch den kompletten Umkehrschub zum betont unaufregenden Dejame Dormir ein.
I’m Disappointed eröffnet in den Gitarren mit einer schimmernden My Bloody Valentine-Andeutung, gibt sich danach aber wüst und flott, rockt kraftvoll und erklärt zumindest in gewisser Hinsicht, warum die Ramones-Fans von der punkigen Essenz ihres Sound sprechen. I Wanna Disappear poltert dagegen mit hymnischer Britpop-Patina und lässt seine Stimme mit dunklem Timbre von Girlgroup-Träumerien der 50er erzählen, bevor die getragene Romantik von Trash sowas ähnliches wie heavy Pulp im Sinne gehabt haben könnte.
Dass der Closer mit knapp dreieinhalb Minuten Spielzeit auch den deutlich längsten Track der EP darstellt, ist exemplarisch für die allgemeine Ästhetik: schnörkellos und direkt – und auch bewusst nicht ganz die Tiefenwirkung des ruhigen, sphärischen Songwritings im regulären Starflyer 59-MO entwickelt. Von einer Enttäuschung muß deswegen aber keinesfals die Rede sein.


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