Chained to the Bottom of the Ocean – The Vestige

von am 22. Oktober 2020 in Compilation

Chained to the Bottom of the Ocean – The Vestige

Wer sich wie Chained to the Bottom of the Ocean nach einem Thou-Song benennt, macht grundlegend schonmal vieles richtig – auch wenn die offenbar zwangsläufig daraus resultierende stilistische Nähe zu den NOLA-Doomern auch Bürde sein muß. Nachzuhören auf der umfassenden Compilation The Vestige.

Diese versammelt (hinter einem wunderbaren, abermals von Blial Cabal bereitgestellten Artwork) das komplette bisherige Schaffen der Band aus Springfield in Massachusetts – also die physisch nicht mehr ohne Aufwand zu bekommenden (aber via Bandcamp via NYP angebotenen) Platten Decay and Other Hopes Against Progress (2017), I Carry My Awareness of Defeat Like a Banner of Victory (2018) sowie Tell Me What You See Vanishing and I Will Tell You Who You Are (2019).
Wer Chained to the Bottom of the Ocean bisher verpasst hat, bekommt hier über satte 76 Minuten insofern einen kompletten Rundumschlag als Einstiegspunkt in diese von Thou (wenngleich weniger nihilistisch keifend) ansatzlos geprägte Parallelwelt aus doomigem Sludge Metal.

Und es ist dabei durchaus etwas Wahres dran, wenn man anhand von The Vestige noch einmal attestiert, dass die bisher auffälligsten Songs der Band mitunter ausgerechnet die beiden Cover-Nummern im Katalog sind: I’ve Got a Gut Feeling von Devo (als superbe Riffmiene mit starken Tempowechseln) und I Will Possess Your Heart von Death Cab for Cutie (welches jedes lange Vorspiel skippt und mit hässlicher Griffigkeit zum Noise taucht) assimilieren die grundlegend weit entfernten Originale ideal und stellen gewissermaßen ob des charakteristischen Songwritings auch das bisherige Optimum dieser Werkschau dar.

Allerdings muß man das restliche Paket deswegen nicht unter Wert vekaufen. Denn Chained to the Bottom of the Ocean verstehen ihr Geschäft, variieren eine gewisse Gleichförmigkeit durch kleine Nuancen. The Mutes Have Begun to Speak addiert zu einer tollen Gitarrenfigur unweit der primären Inspirationsquelle ebenso kurzzeitig eine hyperventilierende Trance-Synthie-Patina wie das breitbeinigere, knackiger ausgelegte Four Cubits and a SpanWith Every Wrist Outstretched schielt mit ballernden Drums garstig zum grindigen Stoner und blutet dann im heavy Drone aus, bevor And Every Sword Unsheathed die Wah-Wah-Psychosebekommt und Out, Brief Candle den einheitlichen MO ganz wunderbar mit melodischem Klargesang lüftet – und Chained to the Bottom of the Ocean dabei eine facettenreichere Perspektive öffnet, die andeutet, dass aus dieser sehr guten Genreband (ohne Genieblitze) durchaus noch eine herausragende werden könnte.

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