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Chastity – Suffer Summer

Chastity - Suffer Summer

Die konsenstaugliche Auftrittsfläche für Chastity – alias Brandon Williams – wird immer breiter, die Reibungspunkte allerdings auch unverbindlicher: Dieser gute Suffer Summer hinterlässt kaum Narben.

Williams beherrscht als mittlerweile souveräner Lieferant von Emo-infizierten Indie/Alternative Rock die Ohrwürmer auf dem Abschluss einer prolongierten Trilogie nicht nur immer noch ansatzlos – er geht auf Suffer Summer zwischen den Zeilen sogar einen Schritt weiter. Dass Dying to Live eine potente Single ist, weiß man schließlich seit vergangenem Jahr, When You Go Home I Withdrawal erinnert nun jedoch gar an die Stadion-Momente der Hymnen-fixierten Biffy Clyro (in weitaus bescheidener, freilich) und Vicious Circle geniert sich mit Akustikgitarre, Streichern und gefühlvollem Formatradiopop-Annäherung samt Dallas Green auf der Gästeliste nicht für die Tendenz zum cheesy Pathos – und eine symptomatisch latent seicht wirkende Barrierefreiheit im gesamten Verlauf.
Dass der Hang zum Kitsch mittlerweile allerdings eben durchaus eine Option für Chastity ist, zeigt alleine der Klimax von Overstimulate vor seinem feinen Piano-Appendix.

Der Rest von Suffer Summer agiert zwar weitestgehend wie Home Made Satan – nur eben ein kleines bisschen weniger interessant und anziehend: die Instant-Langzeitwirkung hat vier Jahre nach dem überragenden Death Lust zwischen den Zeilen auch einer gefälligen Harmlosigkeit anstelle der bissigen Angriffslust und Konfrontationsfreudigkeit eine Komfortzone eingeräumt.
Real World geht unmittelbar zur Sache und schraffiert Post Hardcore-Ambitionen mit sporadischen Schwenken zum Poppunk, bevor Pummeling sich im Zweifelsfall für zweiteres entscheidet und es dabei schafft, seinen catchy Refrain in nur 150 Sekunden ohne Groll überzustrapazieren, wohingegen sich die Bridge durchaus einen Sternenhimmel in der Arena vorstellen kann. The Barbed Wire Fence Around Happiness stürzt seine atmosphärische Intimität toll, aber auch inkonsequent in die massive Breitseite und Somersault färbt die Shoegaze-Zuneigung der Silversun Pickups für die Smashing Pumpkins in den luftigen Sonnenschein des Sommers, inklusive bittersüßer Streicher. Happy Face ist ein schmissiger Hit, der seine Idee doch zu ergiebig auswalzt und dennoch wie alles hier schneller wieder vergessen ist, als das angesichts der kurzweiligen Melodien der Fall sein sollte, bevor Smiling als nette kleine Fingerübung exemplarisch entlässt: Williams macht auf Suffer Summer eigentlich nichts per se falsch, aber eben nichts mehr so zwingend euphorisierend und packend wie bisher.
Mag das Qualitätsniveau der Chastity-Releases insofern aber auch so minimal wie konstant nach unten zeigen, geht das schon klar: Man hat die Band längst ins Herz geschlossen, das muss nicht mehr im Sturm genommen werden.

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