Clutch – Earth Rocker

von am 16. März 2013 in Album

Clutch – Earth Rocker

Eigentlich haben Clutch aus Germantown, Maryland seit über 2 Jahrzehnten und 10 Alben alles, um mehr als nur Insidertipp und Nischensensationen im Zirkus des schweißtreibenden Stoner- und sludge-affinen Rock zu sein. Mit ‚Earth Rocker‚ scheint sich die öffentliche Wahrnehmung des Quartetts auch dankenswerterweise zu ändern – dabei machen Clutch hier doch eigentlich alles wie immer.

Aber eben auch das kleine Quäntchen zwingender als auf den durch die Bank aus der grundsoliden Masse – in der sich Clutch seit jeher gut getarnt verstecken – hervorstechenden neun Studioalben. Knackiger, monströs breitbeinig austeilender Southern-Gitarrenrock mit ordentlich Schmutz an den blutenden Fingerkuppen ist also auch auf ‚Earth Rocker‚ das beinahe ausnahmslos durchgezogene Grundprinzip. Dabei definieren Clutch die Intention ihres diesmal vor Energie förmlich berstenden Studioberserker gleich im Titelsong selbst optimal: „If you’re gonna do it/ Do it live on stage, or don’t do it at all/ If you’re gonna do it/ You better take it to the stage, or don’t do it at all.

Abgesehen davon, dass die Amerikaner mit ‚Earth Rocker‚ das bisher einzige ausfallfreie  Album ihrer Karriere abgeliefert haben ist es diesmal auch die transkribierte Schlagkräftigkeit der Live-Band Clutch der Treibstoff hinter dem versammelten 45 Minuten: die Band pflügt mit einer Leidenschaft durch ihre vor Groove und Power nur so strotzenden Jam-Wuchtbrummen, dass sich viele ähnlich lange verdiente Kombos vor Schamesröte aus dem brodelnden Pit zurückziehen sollten. Der Sound ist fantastisch, knochentrocken in die Vollen gehend, Lautstärke (und Bier) ein zusätzlicher Katalysator. Clutch schreiben eben Songs, die den Körper ansprechen, nicht den Verstand. Die transportiere Spielfreude hinter ‚Earth Rocker‚ sucht inmitten all seiner effektiv auf den Punkt gebrachten Ohrwürmer jedenfalls seinesgleichen, Danko Jones könnte sich trotz Formanstieg ein Quäntchen hiervon abschneiden.

Dazu präsentiert sich Ausnahmesänger Neil Fallon in absoluter Hochform, prägt den Start-Ziel-Sieg seiner Band als versiffter Zwilling von Tom Jones über alle Maße. Dieses Organ alleine ist Gold wert, besser in Szene gesetzt war es nie.
Aber auch das psychedelische Gitarrenspiel in ‚Oh, Isabella‚; der schwerfällig sprintende Metal von ‚The Face‚; die Hillbilly-Mundharmonika samt Redneck-Cowbells in ‚D.C. Sound Attack!‚ – Clutch haben über dem ständig präsenten, massiven Rhythmusgerüst ihrer zahlreichen Hits (diesmal sind es wirklich solche) für reichlich kurzweilige Abwechslung gesorgt. Herausragend bleibt dabei trotzdem der aus dem Rahmen fallende Ruhepol in der Mitte der Platte: ‚Gone Cold‚ nimmt sich bis auf Fallon und zwei (halb)akustische Gitarren bis zum bitterkalten Lagerfeuer zurück, ist eine strahlende, geradezu eindringliche Americana-Schönheit. Und paradoxerweise der Höhepunkt am aktuellen Zenit der immer noch so hungrigen Rockband Clutch.

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