Darkest Hour – Suffer Divine
„The problem with nostalgia is everything dies“. Das wissen auch Darkest Hour. Und geben sich auf Suffer Divine (im Jahr nach ihrem 30. Band-Geburtstag) insofern besonders kämpferisch.
Ohne den Blick also zu weit nach hinten richten zu wollen, kann angesichts der seit über einem Jahrzehnt herrschenden qualitativen Schwankungsbreite in der Diskografie der Band (die nicht nur im eingangs wogenden wogender Abspann A Story of Redemption, der alsbald weiter ausholend rockiger auf das Gaspedal drückt, immer noch in gewisser Weise Buße für das selbstbetitelte Achtwerk von 2014 zu leisten scheint) zumindest eine relative Verortung gleich eingangs nicht schaden: Godless Prophets & the Migrant Flora wird zwar bis auf weiteres das einzige Album der Band bleiben, das wirklich an ihre Großtaten von einst anknüpfen kann, doch ist Suffer Divine ein rundum starker Vertreter des Kanons, der das Niveau nach (dem hier sehr milde betrachteten) Perpetual Terminal wieder merklich nach oben schraubt.
Und das, obwohl man die generelle Tendenz der Platte gar nicht unbedingt bedingungslos begrüßen muss: No Conquered Hearts schunkelt (vor dem schönen Acoustic-Ausklang) in seinem Refrain gar zu sehr mit bedeutungsschwer heroischer Wikinger-Mentalität am Bug eines durch die schwere See pflügenden Schiffs. Und auch der Hit Warrior legt sich gefühlt eine Spur zu weit in eine Amon Amarth‘sche Schiene des Melodic Death Metal, ohne die Handschrift von Darkest Hour auf dem Altar der Beliebigkeit zu opfern.
Zumal auch nur das mit sehr coolen Soli ausgestattete Salvation den zu Trivium schielenden Metalcore seinen Chorus weniger bierseligen singend servieren hätte können, wo Tribalist eine ähnliche Gefälligkeit befällt: Geben Darkest Hour ihren allzu breitenwirksamen Ambitionen nach, ist die Band auch auf Suffer Divine am markantesten von ihrer Hochform entfernt.
Dieser kommen die Amerikaner sonst aber wieder öfter nahe als zuletzt, nachdem das Intro All Cruelty Springs From Weakness dämonisch besessen faucht und greift.
Gods of Decay reitet seine starke Hook ganz dem Album-Artwork entsprechend zu Deliver Us. Der Titelsong zieht die Zügel herrlich thrashig eng, Vile Angel ist ein brillant straighter Galopp. The Unforgiving Hand gönnt sich zum Einstieg einen instrumental gehaltenen Pathos, bevor das Bandgefüge im getragenen Tempo reduziert den Klischees frönt und die tolle Dynamik des Albumflusses betont und Everyday Horror mit einer Crossover-Thrash-meets-
42 Minuten kommen damit kurzweilig auf den Punkt: Suffer Divine ist die vielleicht bestmögliche Erinnerung daran, warum man Darkest Hour seit jeher ins Herz geschlossen hat und niemand abschreiben sollte.


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