King Gizzard & The Lizard Wizard – Alien Metal
Damit konnte man nach den letzten Live-Auslegungen fast schon rechnen, wenngleich nicht in dieser kompletten Konsequenz: The Silver Cord war nur ein Testballon und die Aufwärmrunde für das in Dauerschleife laufen könnende Möbiusband Alien Metal!
Acid Techno. Breakbeat. Progressive House. Jungle. EDM. Trance.
Das ist das stilistische Spannungsfeld, auf dem King Gizzard & The Lizard Wizard den Weg ihrer jüngsten Rave-Shows mit einer geradezu unerbittlichen Formvollendung fortsetzen.
Satte 14 Monate nach Phantom Island (und damit eine längere Pause zwischen zwei Releases, in denen „entire albums, entire universes that were formulated, created, recorded, deleted and started again“ wurden), in denen analoge Synths umgebaut und Joey „Bullant“ Walker als Leitstern auserkoren wurde, sowie Stue Mackenzie am Rande einiger Solo-Auftritte Mango Sticky Rice veröffentlicht hat, gerät der Einstieg in Studioalbum Nummer 28 nur vermeintlich abrupt: Alien Metal ist ein nahtloser Loop, ein praktisch unendliches Set für den keine Sperrstunde kennenden Dancefloor.
Sapience pumpt direkt im Club los, bewegt sich in hypnotischer Trance tanzend, wummert und schiebt rein instrumental, bevor erst im Titelsong effektverzerrter Gesang aus der Zukunft in das Geschehen gebeamt wird. Soweit scheint es, als wäre Alien Metal komplett auf die Ästhetik ausgelegt, das Songwriting bestenfalls Mittel zum Zweck. Doch hinten raus gibt das mikrotonalen Synth-Gehampel dem Szenario eben doch eine unverkennbare Handschrift und macht insofern sogar erahnbar, wie das alles in einem anderen Genre-Kontext des Gizzverse klingen hätte können.
Superheavy, Supercritical stampft mit einer unerbittlichen Hook (von denen die Platte gerne mehr vertragen hätte können) knubbelnd, weiß wie man Stimmung macht und die Motivation Party-Crowd ständig ankurbelt, bevor der Trip Kill for the Steel weiter in den Gabba-Space geschossen wird, wo man sich Solomun im SciFi-Boiler Room synchron mit seinen Familienmitgliedern tanzend ausmalt.
Level 5 orientiert sich dagegen eher am Drum and UK Bass sowie den 90ern, frickelt atmosphärisch zu Faithless und sinfonischen Andeutungen. Rapid Alpha Decay wird hoffnungsvoll gelüftet, ist ein in sich gehendes Durchatmen und auf zerfahrene Weise progressiv, derweil Uqt von einem Bein aufs andere in Sidesteps shakend Rosen streut, wo die vermeintliche Metal-Gitarre gar keine ist.
Das verhaltene Atomic Collapse streunt danach durch einen sinistren Tunnel, ist weniger ein Abkühlen als die Aufwärmphase für den Drop von Sapience. Wie viele aufeinanderfolgende Durchgänge man dem Alien Metal dann allerdings spendieren möchte, bleibt überschaubar: Bei allen wirklich spaß machenden Qualitäten, die die Australier hier mit einer bisweilen beeindruckenden Hingabe zelebrieren, ist der Wunsch, diese doch eher spezielle – oder: irgendwie sehr auf seine Funktionalität ausgerichtete – Nische des Gizzverse öfter zu besuchen einfach nicht unbedingt gegeben.


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