Ex:Re – Save As
Das Kapitel Ex:Re war für Elena Tonra eigentlich eine einmalige Angelegenheit – und insofern für sie abgehakt. Nun hat sie mit Save As dennoch ein zweites unter diesem Banner firmierendes Album aufgenommen.
Auch wenn Radio Station den Faden des so wundervollen selbstbetitelten Erstlings der Daughter-Frontfrau stilistisch relativ direkt aufnimmt (mit geloopten Drums und einer repetitiv schrammelnden Gitarre im 90er-Feeling, als wäre Jerry Cantrell durch einen unendlich intimen Weichspüler im Amalgam aus Trip Hop, Indie Rock und Pop getaucht, um als Versprechen ohne Höhepunkt einnehmend abholend dahinzulaufen), ist Save As eher eine Art Reboot auf Anthology-Basis, denn eine wirkliche Fortsetzung – in Form einer homogenen Songsammlung, die nicht ganz auf einer Linie arbeiten will, obwohl ein relatives Konzept den inhaltlichen Überbau zur ästhetischen Handschrift liefert.
Die einzelnen Nummern funktionieren wie eine Zeitreise in ihre Vergangenheit, sagt Tonra, warnt aber auch: „My memory is not always very good.“
Sleep klingt so wie der auf halber Geschwindigkeit dösende Dancefloor eines verträumten Clubs, der sich in der behutsamen Melancholie des elegischen Geschehens wohl nach noch mehr Zeitlupe sehnt. Das Schlagzeug in Am I Even Real? schleust weich wattiert Beats durch den gedämpften Jazz-Filter, die Gitarre agiert sparsam und schiebt die zauberhafte Stimme weit nach vorne, die mit latentem Lana Del Rey-Vibe die vielleicht frontalste Hook von Tonra überhaupt anbietet. An Miss Grant darf man auch in Frozen Aisle denken, wenn Pianotöne neben dem organischen Drum-Sample im ambienten Meer von Ethel Caine treiben. In Two Chords scheinen dagegen Massive Attack als Referenz näher, so wie ein minimalistisches Klavier und unbedingt reduziert akzentuierte Streicher die Arrangements in eine einsame Nacht tupfen, derweil Language of Love Grouper auf Sinnsuche in Twin Peaks zeigen könnte. Wobei eine vertraute Heimeligkeit stets in den Arm nimmt, man sich in der bittersüßen Nostalgie stets behütet fühlt.
Der dunkel-sakral Hintergrund von Save As, dem Titelstück, wummert insofern wie begleitend, nicht wie eine Bedrohung und wahrt im Schatten von asketischen Warpaint seine Distanz. Wasp ist als Singer Songwriter-Ausflug in den Folk mehr oder minder praktisch auf Gesang und eine Acoustic-Gitarre zurückgenommen, wo Healing (Slow) später transzendent perlend als wehmütiger Heilungsprozess schippert.
All diese Kleinode, die Tonra da mit Produzent Fabian Prynn, Josephine Stephenson am Cello, Hinako Omori an den Synthesizern, Ben Reed am Bass sowie Jethro Fox an der E-Gitarre zusammengetragen hat, sind natürlich absolut zauberhaft. Doch hat Save As einfach das Problem, dass das Material nicht ganz so gut wie jenes von Ex:Re von 2018 ist, und dass diesmal keine das Gefüge so ergreifend krönenenden Ausnahme-Songs wie Crushing aus dem Werk herausragen. Diesbezüglich trügen einen die eigene Erinnerung keinesfalls.


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