Delving – Hirschbrunnen

von am 22. Juli 2021 in Album

Delving – Hirschbrunnen

Elder-Leithammel und Gitarrenmaestro Nicholas DiSalvo hat sich mit dem Delving-Debüt Hirschbrunnen eine Plattform geschaffen, um die Strukturen des Prog mit postrockiger Weite aufzulösen.

Hirschbrunnen ist gewissermaßen die instrumentale Fortsetzung von Omens und den Silver & Gold Sessions: Zeitlos retrofuturistischer Space Rock mit krautiger Psychedelik, der auf knackige Riffs weitestgehend zugunsten melodiös-verträumt perlender Gitarren verzichtet; die so sanft wie soften Texturen mit analogen Synthies verziert und selbst in den von der Rhythmussektion knackiger angepackten Passagen eine subtile, elegante und schwerelose Nonchalance an den Tag legt.
In Ultramarine (dessen Piano-Einstieg das Tasteninstrumenten im Verlauf mit kauziger Unbekümmertheit immer wieder auftauchen lassen wird) deutet sich kurz ein düsteres, dystopischen Szenario an, doch dann ist der MO mit einer latent luftigen Lockerheit eher die Vision einer zwanglosen Utopie. Dezent flimmern organisch modulierte Erinnerungen an die 70er mit dem unaufdringlichen Groove. So unangestrengt ist die anachronistische Zeitkapsel Delving nicht an Heaviness interessiert und mäandert im besten Sinne, lässt sich plätschernd treiben und funktioniert aus imaginativer Hinsicht gleichzeitig unverbindlich und einnehmend, begleitet über den Hintergrund hinauswachsend.

Im homogenen Ganzen verschwimmen die Grenzen zwischen den Stücken zwar ohne explizite Konturen, doch liefert DiSalvo immer wieder somnambule Orientierungspunkte. In Delving, dem Bandnamen-Stück, erinnert nicht nur das Klatschen an Explosions in the Sky. Auch der Spannungsbogen ist cinematographisch, die Strukturen flanierend. Irgendwann entscheidet sich das Stück auf halben Weg zum instinktiven Jam dann aber für eine weiche Odyssee, selbst in den etwas doomiger schraffierten Szenen, zeigt sowieso viel Gefühl und Understatement. Für The Reflecting Pool schimmert der Ambient im Reverb, der grummelnde Bass und das kompakte Schlagzeug holen ab, liebäugeln mit einer jazzigen Verspieltheit – nur um dann ganz in die Klangkosmos-Welten von John Carpenter im hoffnungsvollen Spektrum einzutauchen und die Meditation als Weltraum-Trip zu praktizieren.
Wait and See ist zurückgelehnt und entspannt, schwingt sich nach und nach zu einem rockigen Kontext auf, der keinen Exzess braucht, um eine ansteckende Spielfreude zu provozieren. Das Titelstück gibt sich so besonders sphärisch, beinahe esoterisch, obwohl die Performance eigentlich eng sitzt und Vast lässt sich an einem latenten Country-Vibe mit Allman-Brothers-Flair entlangtreiben, türmt sich dann aber ebenfalls auf, läuft einem Klimax entgegen – der nach neun Minuten im abrupten Ende mündet und damit etwas unbefriedigendes (nein, absolut nichts frustrierendes) transportiert, aber das Wesen einer Platte bestärkt, die als Möbiusbands gut und gerne in der Endlosschleife laufen kann.

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