Die Sterne – Flucht in die Flucht

von am 28. August 2014 in Reviews

Die Sterne – Flucht in die Flucht

Flucht in die Flucht‚  ist bereits das zehnte Studioalbum der Hamburger um Frank Spilker – dabei aber so frisch wie ein Debüt. Auf die Discoscheibe ‚24/7‚ folgt der Ausritt in die Psychedelicabteilung.

Die Sterne erfinden sich mit ‚Flucht in die Flucht‚ nicht neu, aber das ist insofern zu verstehen, als dass Die Sterne das 1. nicht nötig haben und 2. der psychedelische 60s-Sound so herrlich frisch mit den gewohnt gewitzten Texten daher kommt, dass man fast den Hut ziehen möchte. Über 20 Jahre Bandbestehen und keine Spur von Ideenlosigkeit. „Hier kommt das Ende / Wir haben alles versucht / Hier kommt die Wende / Hier kommt die Flucht in die Flucht“ heißt es im Titelstück. Da groovt der Bass, da sitzt der Text. Ein Gefühl von Melancholie mit einem Lächeln macht das von Olaf O.P.A.L. (u.a. The Notwist, Slut) produzierte Werk der Hamburger Haudegen zur perfekten Untermalung für den herbstlichen Sommer.

„Bezahlbare Wohnungen in den gängigen Viertel gesucht/ Nach der Renovierung werden die Preise kaum merklich steigen/ Was für eine Immobilienblase?/ Die Mehrheit will das so/ Das was da an meinen Schuhen klebt ist möglicherweise zur Abwechslung mal keine Hundescheiße“, spricht Frank Spilker über psychedelische „Hintergrundmusik“, immer begleitet vom weiblichen Chorgesang in ‚Innenstadt Illusion‘, und erzeugt damit herrliches Kopfkino. Der Grundtenor zieht sich wunderbar durch das gesamte Album. Es entsteht der Eindruck tiefer persönlicher Einblicke in die Psyche der Musiker und dennoch fühlt man sich als gewöhnlicher Stadtneurotiker wie aus der Seele gesprochen.

In ‚Ihr wollt mich tötet‘ erhält Spilker gesangliche Unterstützung durch Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten: „Ihr wollt mich töten / Ihr fangt jetzt besser an / Ihr solltest es vollenden / Bevor ich euch töten kann“, so beschwören beide das bedrohliche Szenario mit mantraartigem Dadada-Gesängen. Kurz darauf wird in ‚Menschenverachtendverliebt‚ im späten Arctic-Monkeys-Stil schwer gerockt. Den Sternen gelingt es ein musikalisches Thema unaufgesetzt auf 12 Songs zu übertragen ohne dabei langweilig und beliebig zu wirken.
Flucht in die Flucht‘ versucht den „Hirnfick“ auf Albumlänge und liefert damit einen herrlichen Soundtrack für öffentliche Verkehrsmittel und ein Kopfkino für Stadtmenschen, denen alles mal zu viel wird. Die Platte vereint tanzbare Psychedelic mit Politagenda in einer lyrischen Popsprache wie sie ausgefeilter nicht sein könnte. „Es fühlt sich gut an/ wenn der Schmerz nachlässt/ Es ist gut an etwas anderes zu denken/ Einfach herrlich nicht bei sich zu sein“ – dem kann man nur beipflichten.

08

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