Dodgy – Hello Beautiful
Für die sympathischen Sunshine-Baggy-Britpopper von Dodgy wird es immer einen Platz im Genre-Herzen finden. Daran ändert auch Hello Beautiful, ihr erstes Lebenszeichen seit zehn Jahren, nichts.
Und das, obwohl Studioalbum Nummer 10 eigentlich eine ziemlich frustrierende Angelegenheit geworden ist. Mehr als jedes andere Werk der Band seit ihren Heydays führt es nämlich vor, dass das Songwriting von Dodgy die Grundvoraussetzung auslegt, um zu Hits und Evergreens reifen zu können – es das Quartett aus Hounslow aber einfach nicht schafft, das Potential all seiner sonnig ungezwungenen Melodien, der optimistischen Harmonien, und der kammemusikalischen Ausschmückungen voll warmer und lebendig abholender Nostalgie wirklich zwingend auf den Boden zu bringen.
39 Minuten mäandern so letztlich durch Material, das die Band nicht aus der zweiten Liga des Britpop heben können wird, auf das sich aber wohl dennoch die gesamte Szene wohlwollend einigen können wird.
Gleich der Titelsong-Singalong ist so ein unaufgeregtes Stück Positivismus, dass es entwaffnend ist – auch wenn der Opener exemplarisch für die meisten Stücke zu lange dauert und irgendwann unverbindlich plätschert, die Eingängigkeit zu belanglos und nett ohne wirklichen Kanten hofiert. The Likes of You and Me orientiert ein ein bisschen psychedelischer tändelnd am Insel Rock-Einerlei mit 60s-Vibe samt opulenter angehauchten orchestralem Finish und It’s Not the End wird als schöne Ballade von Bläsern begleitet.
Das friedliche, hippiesk gezupfte Call it What You Want schippert tänzelnd dann nach vorne, zwischen The Coral und Midlake, revidiert seine Ausrichtung hinten raus aber überraschend in den funky Twist, derweil das gut gelaunte Summer Forever eher zu den Beatles schielt und der solide Filler Looking Back (im Gegensatz zum eher eindruckslosen Out of Time) ein gelungenes Solo zu den immer angenehm zurückhaltenden Arrangements stellt.
Ja, streng genommen stimmt es schon: So wirklich konkret hängen bleibt wenig davon, das meiste ist einfach zu gefällig und harmlos angelegt.
Nicht nur wenn sich Fall in to Me (in dem irgendwo ein großer Song stecken sollte) und vor allem Beside Me aber wie niemals restlos in Griffweite kommende Erinnerungen an aus der Zeit gefallene Klassiker anfühlten, haben einen die Underdogs mit Hello Beautiful dann aber eben doch einmal mehr – wenngleich eher vielversprechend, als befriedigend – an der Angel. Und man rundet wertungstechnisch auf, wie es wohl nur mit langjährigem Sympathie-Bonus halbwegs zulässig ist.


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