Grade 2 – Talk About It
Talk About It? Haben sich Jack Chatfield, Sid Ryan und Jacob Hull für ihr fünftes Grade 2-Album womöglich mit Kanye West (oder sogar auch Poison The Well und Nothing) hinsichtlich der Cover-Wahl abgesprochen?
Während man (sobald Hanging Onto You nicht nur Rancid-Jünger mitgröhlen wollen werden oder Standing in the Downpour die Lehren von The Clash mit der Attitüde von 00er-Indie-England-Bands übersetzt) natürlich ganz andere Referenzen als diese Kollegen mit einem ähnlichen zeitaktuellen Faible für Zähne-Artworks braucht, hat Talk About It generell sein Thema mit dem nötigen Biss und Hunger.
Denn die britischen Hellcat-Punker machen drei Jahre nach dem selbstbetitelten Durchbruchswerk nicht nur alles wie immer. Nein, sie haben ihre Formel diesmal sogar praktisch perfektioniert – selbst im reibungslosen Autopilot.
Denn alles hier ist catchy und schmissig, zündet sofort eingängig und fädelt die simpel gestrickten Singalong-Ohrwürmer, Szene-Hits und -Hymnen ohne Überraschungen oder Experimente mühelos aneinander. Jede Hook sitzt, erfüllt die Erwartungshaltung und geht so Hand Hand mit einer keine Sekunde verschwendenden, sehr kurzweiligen Fanpleaser-Effektivität.
Dabei verzichtet die Band aber mittlerweile gefühlt auch auf nahezu alle Ecken oder Kanten. Es gibt Schlachtrufe wie Cut Throat, die ihren Titel zur simplen Mitmach-Aufforderung degradieren und eine frontale Agenda, die sich nicht über mehrere Ebenen verschachtelt. Man muss sich nichts erarbeiten und es gibt wenig hinter dem Offensichtlichen zu entdecken, weswegen all der Instant-Spaß letztlich auch nur mit überschaubarer Halbwertszeit fesselt. Dass die klare und sehr saubere, aber nicht zu klinische Produktion zudem auf einen trendigen Plastik-Sound der Drums setzt, ist ähnlich enervierend wie die nervigen „Nanana“s im klimpernden Titelstück Talk About It.
Dafür ist die Mando Diao‘sche Orgel in Don’t Worry About Me ebenso toll wie die Gang-Mentalität des mit Rage Against The Machine-Weisheit hausieren gehenden Rotten. Überhaupt zementieren Grade 2 ihrer Szene-Status ein ums andere mal, gehen runter wie Öl und machen – alleine schon durch das famose Bass-Spiel der Platte! – per se nichts schlecht.
Wäre nur alles – so, wie es das dramatische Wasteland zumindest andeutet – ein wenig roher und ungeschliffener (respektive: interessanter und spannender oder herausfordernder) ausgefallen, wo Grade 2 ihrem Signature Sound die Zähne zeigen hätten dürfen, anstatt ihn zur hauseigenen Wohlfühlzone zu machen.


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