Elder Devil – The Light Dimmed Eternal

von am 15. März 2019 in Album

Elder Devil – The Light Dimmed Eternal

Grindcore ohne Scheuklappen, gnadenlos eingestellt: Elder Devil halten mit ihrem Langspieler-Debüt The Light Dimmed Eternal nahezu alle Versprechen, die sie 2017 über den grandiosen Einstand Graves Among the Roots gegeben haben.

Stephen Muir (Vocals, lyrics) und Jacob Lee (Music, production) bürgen mit Spielwiesen wie Cabin Fire, PlasticBag FaceMask, Skull Incision und vor allem den allmächtigen Keeper ja grundlegend für eine gewisse Qualität, doch mit The Light Dimmed Eternal schließen sie nun auch auf ihrem gemeinsamen Projekt weitestgehend zu ihren besten Arbeiten auf: Elder Devil sind auf ihrem ersten Album zu einer nahezu voll ausformulierten Größe gewachsen, spielen herrlich finster-peinigenden und dreckig rasenden Grindcore, der mit unberechenbarer Dynamik immer wieder die düsteren Schattierungen wechselt, um wie ein schwarzes Loch Elemente aus dem Sludge, dem Doom, dem Crustpunk und Hardcore assimiliert. In hämmernden Midtempo von Back into the Womb spielen die Gitarren gar Black Metal-Bögen und The Endless Hum schraubt martialisch am nihilistischen Noisecore und Metal.

Diese Bandbreite passiert absolut organisch, Elder Devil zerfleischen das hetzende Spektrum wie selbstverständlich und lassen die Amplituden intuitiv randalieren. Die Intensität wird dabei in jeder Gangart hoch-, und von der klaustrophobisch dicht drückenden Atmosphäre zusammengehalten: Der Sound ist harsch und garstig, steht unter Strom, erinnert in seinem Kontrast aus extrem präzise arbeitenden Drums und ekelhaft rohen Gitarren immer wieder an Godflesh oder Agoraphobic Nosebleed, nicht erst sobald Samples ins Spiel kommen sind auch Pig Destroyer nicht weit.
Vor allem als Ganzes überzeugt The Light Dimmed Eternal deswegen ansatzlos – nachzuhören wohl am besten im Wechselspiel aus Atempause und Adrenalinrausch, den Hellbound und I Am the Way zelebrieren: Wo Elder Devil erst eine Brühe aus Noise und Feedback lauernd zum Ausbluten schleifen, bauen sich geißelnde Spannungen auf, kotzen diese aber erst im brutalen Folgestück aus. Der Kontext und Fluss der Platte ist insofern stark, The Light Dimmed Eternal lebt von seiner natürlich gewachsenen, in sich geschlossenen Ungezähmtheit.

Was fehlt ist zwar weiterhin der eine oder andere wirklich aus dem exzellenten Gefüge herausragende Song, obwohl Elder Devil nun bereits ohnedies stärkere Akzente setzen als bisher. Der Quasi-Titelsong May the Light be Dimmed Eternal ist mit seinen Blastbeats und Gitarrendaumenscharuben ein Signature-Move und pure, rasende Bestrafung, während das Doppel aus (dem bestialisch guten, weil extrem vielseitig seine Form ändernden) City of Infinity und Celebration of the Black Prince einen nackenbrechnden Groove mitten rein in den Reißwolf auf Speed lotst.
Dass die erste Plattenhälfte die zweite Qualitätstechnisch ein klein wenig abhängt (weniger, weil sie schwächern werden würde, sondern weil bereits alles essentielle gesagt zu sein scheint) ist ein Schönheitsfehler, der ohnedies ignorierbar ist, wenn die Abschließende Folterkammer A Small Room als schleppender Morast und Mahlstrom so heavy und böse ist, dass die Wirkungstiefe dieses – bisher physisch nur auf Kasette veröffentlichten, bald aber auf Vinyl aufgelegt werden sollenden – Debüts schlichtweg auslaugend schonungslos funktioniert. Eigentlich beängstigend, dass hiernach das Gefühl bleibt, dass Elder Devil immer noch am Anfang ihres Potentials drangsalieren.

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