Faceless Burial – Speciation

von am 12. August 2020 in Album

Faceless Burial – Speciation

Drei Jahre nach dem als fulminante Talentprobe herhaltenden Grotesque Miscreation steigen Faceless Burial mit ihrem Zweitwerk Speciation endgültig in die erste Liga des technischen Death Metal auf.

Alex Macfarlane (Bass/Vocals), Max Kohane (Drums) und Füj (Guitars) nutzen dafür den Raum, der zwischen Tomb Mold, Blood Incantation und Immolation noch frei ist für eine Oldschool-Riffdisco, die in knackigen 38 Minuten kein Fett ansetzt.
Die modrigen Vocals röcheln klaustrophobisch aus dem Morast der tiefsten Höhle – vielleicht wie alles hier nicht sonderlich originär oder unverkennbar, aber herrlich dreckig und akzentuiert primitiv, ruhelos entwickelnd und mutierend – „forward thinking/backwards-looking“ nennt der Beipackzettel diesen erfrischend modern in die 90er blickenden Anachronismus.
Das Schlagzeug hyperventiliert jedenfalls in einem unaufhaltsamen Mahlstrom aus Wendungen, der Bass grundiert malmend und hungrig – und dann sind da eben diese Myriaden aus Riffs, und Riff und Riffs und Riffs, die ohne zu versiegen aus Speciation hervorbrechen, in einer atemlosen Performance und einem Songwriting, dessen Strukturen ungezähmt und unberechenbar permanent die Auslage verändern, auch komplexer und so viel progressiver als noch auf dem simpler gestrickten Debüt explodierend.

Da hinterherzukommen ist jedoch erstaunlich einfach. Denn zum Einen lassen Faceless Burial auch über die absolut grandiose, durch und durch organische Produktion trotz aller Kompaktheit Raum, um sich zu orientieren. Es passiert zwar offenkundig ohne Unterbrechung permanent etwas, doch die Details werden – eben auch durch die nahe an der Live-Reproduzierbarkeit gehaltenen Arrangements und einhergehenden Limitierungen einer Trio-Besetzung – nicht ziseliert zur Reizüberflutung getrieben, sondern archaisch-brutal mit raffiniert griffiger Grobschlächtigkeit inszeniert.
Und zum anderen macht das Ergebnis einfach verdammt viel Bock, lässt die drei Australier wie Kinder im Süßwarenladen wirken, die sich von Mastodon’esken Kaskaden (Worship) im Verlauf auch praktisch immer weiter steigern: Das Finale aus dem überragenden Spuming Catarrhal Gruel und dem kaum minder starken Ravished to the Unknown gehört schlichtweg zum besten, was ein starkes Genrejahr bisher zu bieten hat und treiben diesen furiosen Eklektizismus sogarhin zu beinahe genialistischen, wenngleich (noch) nicht ikonischen Geistesblitzen.

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