Fluisteraars – Gegrepen Door de Geest der Zielsontluiking

von am 8. Oktober 2021 in Album

Fluisteraars – Gegrepen Door de Geest der Zielsontluiking

Nur ein knappes Jahr nach dem gefeierten Bloem  (und noch kürzer nach der Compilation Relaas) haben die Niederländer von Fluisteraars ihr viertes Studioalbum fertig. Gegrepen door de geest der zielsontluiking kann dabei implizit durchaus als Gegenreaktion auf den Vorgänger verstanden werden.

Der Hype, den Bloem vor annähernd 12 Monaten in Szenekreisen erzeugen konnte, war schon irgendwie nachvollziehbar – unterschreiben musste man ihn jedoch nicht. Demgegenüber stellt sich an dieser Stelle nun allerdings eine wohlwollende Anerkennung (ohne jedoch bis zur milden Begeisterung zu reichen) angesichts der praktisch konträren Ausrichtung von Gegrepen Door de Geest der Zielsontluiking ein.
Fluisteraars erzeugen die anmutige Schönheit ihres Black Metal nun mit einer roheren, schrofferen und reduzierteren Gangart, weniger aus dem Post- oder -Gaze, denn aus der Second Wave gespeist. Das Duo hat seine Songs diesmal mit einem improvisatorischeren, spontaneren Zugang aus dem unmittelbaren Jam heraus und ohne langwierige Nachbearbeitung geschrieben. Das Instrumentarium bleibt dabei durchaus enigmatisch, verzichtet aber explizit auf Synthies, Keyboarde und allzu weitschweifenden Arrangements.

Während der Gesang von Bob Mollema rauer denn je wirkt, jubilieren die Tremolo-Gitarren episch, aber komprimiert, unbedingt repetitive und auch monoton. Mit diesem anachronistischen, intuitiven Ansatz sind Fluisteraars grundlegend zwar  in eine Riege der potentiellen Traditionalisten steigend auch theoretisch austauschbarer geworden, doch setzt ihr asketische Eklektizismus sein Gespür für Stimmungen praktisch als Katalysator ein. Hier versteht es jemand, die Tugenden der Klassiker mit Prägnanz zu nutzen: Gegrepen door de geest der zielsontluiking benötigt keine Myriaden an Riffs und Wendungen, um kurzweilig und fesselnd zu agieren, erzeugen in den Wiederholungen keine auslaugende Gleichförmigkeit, sondern einen imaginativen Sog.

Der Atmospheric Black Metal des ätherisch tackernden Het overvleugelen der meute hat dabei schon etwas malerisches, fast romantisches, wenn die Dramatik an Zug gewinnt, kurze revidierende Pausen Akzente in der Spannung setzen, bis an Ende das Schlagzeug im Geiste von Guardian Alien den Ambient zerpflücken darf.
Brand woedt in mijn graf addiert näher an Bloem mystische Texturen, wirkt gar erhebend, da die Melodien im Cinemascope aufgehen, setzt vor dem neuerlichen Übergangs-Intermezzo am Ende zudem individuelle Reize, wenn das delirante Falsett das greinende Gekeife ablöst.

Verscheuring in de schemering übernimmt dann klar schimmernd mit einem latenten Postpunk-Flair, entwickelt sich zum mit knapp 20 Minuten klar längsten der drei niemals kurzen Stücke der Platte. Nach gut einem Drittel seiner Laufzeit kippt der Monolith erst in einen gedrosselter schwelgenden Post-Part, verträumt gar und vom beinahe jazzigen Schlagzeugspiel belebt, bevor die Nummer formoffen vollends in einen ambienten Klanginstallations-Jam abtaucht, dessen Ausstrahlung über schreiende Bohrer beklemmend und verstörend, gleichzeitig aber auch anziehend ist (und an dieser Stelle in der Abrechnung zwischen den Punkten liegend für die Aufwertung sorgen wird). Dass die Nummer geradezu beschwingt und jubilierend wiedergeboren wird, ist jedoch wohl nur eine schlüssige Konsequenz: die aufgehende Saat wächst immer noch mit vertrauten Schemas, auch wenn Fluisteraars ihren Sound hier auf einem anderen Nährboden kultivieren als bisher.

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