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Grivo – Omit

Grivo - Omit

Die Shoegaze-Festspiele gehen nach (dem erstaunlich langlebigen Infinite Granite), (der hier übersehenen Blankenberge-Schönheit) Everything, (dem seit dem Verfassen dieser Zeilen gewachsenen) The Shape of Everything sowie (dem individualistischen) Dissolution Wave in Form des Grivo-Zweitwerks Omit nahtlos weiter.

Vier Jahre nach seinem Debüt Elude hat das texanische Trio – die Brüder Timothy (Gesang und Gitarre) und Matthew Heck (Schlagzeug) sowie Bassist Ricardo Tejeda – seine Formel noch einmal konzentriert. Die Vocals hauchen ätherisch verwaschen aus dem Hall nach allen Regeln des Genre-Gesetzes, die melancholisch getragene Sehnsucht badet den Shoegaze in Tendenzen zum Alternative Rock, Pop und gar doomigen Ahnungen. Omit pflegt eine schwerfällige Lethargie im gedrosselten Tempi und dem dichten, räumlichen, aufgeräumten Klang, traurig und wunderschön, düster schimmernd und die emotionale Palette subversiv anbietend.
Und nein, die Eklektiker von Grivo erfinden das Rad damit natürlich nicht neu und klammern in Summe eine gewisse Gleichförmigkeit des so kohärent in sich geschlossenen Sounds nicht aus – wollen dies aber auch gar nicht, sondern suhlen sich in dieser Vertrautheit mit dem Wissen, die nötige Substanz auf ihrer Seite zu haben.

Trammel neigt spätestens im Refrain zu einem heavy Dreampop oder Doomgaze, der gleich viel von den Deftones mitnimmt wie von My Bloody Valentine, Lush, Spotlights, Hum oder DIIV, wenn majestätischer Post Metal sich tektonisch unter die fürstlichen Landschaften bettet. Der Titelsong ist ein elegisches Meer aus sich flächigen ineinander verschiebenden Gitarrenschollen, die weich über die kompakt gehaltene Artrock-Snare fließen, den Kontrast aus Weite und Kompaktheit atmosphärisch an der Hand nehmen, imaginativ alle Freiheiten geben und dennoch nicht mäandern, weil das strukturell bei aller unkenventioneller Haltung griffig auftritt – selbst wenn die Hooks und Melodien zwar exemplarisch unmittelbar packen, jedoch vor allem transzendental im Unterbewustsein vaporisieren.
Fatique lehnt sich deswegen mit klaren Postrock-Gitarren beruhigt noch weiter in die sphärischen Oasen der 90er. Konturen sind da, verschwimmen aber in schleierhaften Überblendungen. Der Chorus fährt die Breitseite behände auf, die Ästhetik bleibt somnambul, die Geste romantisch: „You are perfect in every way“ – und der Verstärker verschlucken die Worte praktisch. Als hätten die Silversun Pickups den Teil ihres Spektrums, der für die immanente Verehrung der Smashing Pumpkins zuständig ist, mit dem wuchtigen Groove des Grunge ausgewrungen. Diese Platte kann eben so bittersüß und elegant, geschmeidig und brutal, voluminös und präzise wie kraftvoll und walzend sein – sie verschlingt mit Geduld und Zeitlosigkeit.

Richtig stark auch der balladesker ausgerichtete Mittelteil: Fatal Blue assoziiert The Cure und holt wie auch das stringenter gezogene, unkonventionell R.E.M. huldigende Attuned (mit seinem ambienten Klavier-Outro) subversiv ab, nicht überwältigend, sondern berauschend. Die Katharsis von Grivo ist weder eine originelle noch kompositionell punktuelle, sondern eine, die über die Homogenität der Identität, das exquisite Songwriting sowie das ganzheitliche Gefühl für Spannungen und Dynamiken funktioniert. Es entsteht eine Sucht, auch über phasenverschobene alternative Erinnerungen.
Languor setzt dort an, wo Patrick Walker mit Wider Than the Sky aufgehört, aber mit Perfect Light nicht weitergemacht hat. Das Trio verliert sich zwanglos rund um das zentrale Motiv der Nummer, ermöglich bluesige Schattierungen trotz Reverb- und Delay-Abonnements, und installiert zudem herrlich dröhnende Bass-Nuancen – die die Stimmung von There letztendlich in den dystopischen Post-Punk-Slowcore färben. Der Closer bäumt sich auf, verschluckt den epochalen Klimax jedoch mit lasziver Verweigernungshaltung. Omid will eben kein offenkundiges Spektakel, nimmt sogar eine undefinierbare Ernüchterung in Kauf, um sich eine mystische, unergründliche Aura im Kern zu bewahren – und paradoxerweise dennoch eine Instant-Liebe (nicht nur für Genre-Fans) zu ermöglichen, die einen heimlich noch lange in ihren Bann ziehen könnte.

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