Jessica Pratt – On Your Own Love Again

von am 28. Januar 2015 in Album

Jessica Pratt – On Your Own Love Again

Wem die elfenhaften Songs von Joanna Newsom immer schon ein wenig zu affektiert waren, dem könnte Jessica Pratt zumindest aufgrund der sehr ähnlichen Stimmfarbe unaufdringlich entgegen kommen. Aber nicht nur all jenen schenkt sie ‚On Your Own Love Again‚ – ein absolut klassisches, zeitloses Folkalbum, wie es heutzutage kaum noch  jemand schreibt.


Auch wenn der 27 jährige Drag City-Singer-Songwriter-Neuankömmling aus Kalifornierin derartige Vergleiche nicht gerne hören soll, es geht nicht ohne – und markiert letztendlich ja auch nicht die schlechtesten Referenzpunkte: ‚On Your Own Love Again‚ klingt nach der Zeit von Joan Baez, Joni Mitchell, Leonard Cohen, nach den Lehren des späten Nick Drake und dem Frühwerk von Tim Buckley.
Kurzum: nach der puren, beinahe archaischen und hier vor allem auch authentischen Schönheit des Folks der 1960er Jahre, der sich heimlich, still und leise an der liebesgepeinigten Seele entlangschmeichelt und ohne zeitgenössische, moderne Gimmicks die Sprache des Herzens spricht. Pratt braucht dafür selten mehr als ihre kindlich wandernde Stimme und eine schüchtern gezupfte Akustikgitarre; hier und da geistern gelegentlich noch unwirkliche, traditionelle Psych-Folk-Blechbläser durch den Hintergrund, viel braucht Pratt aber nicht, um eine imense Stimmungstiefe zu kreieren.

Selbst die seltsam entrückt wirkende Vierspurgerät-Produktion mutet dabei wie ein vitales Relikt vergangener Tage an, permanent scheint im gegenüberliegenden Eck des verrauschten Schlafzimmersounds soviel an verhuschter Detailarbeit zu passieren.
Freilich wäre das ohne die richtigen zugrunde liegenden Songs wenig wert. „There was a time that you loved me / There was a time when you said you want me to believe.“ singt die simplizistische Lyrikerin Prass im bezaubernden ‚Back, Baby‚, alles tröpfelt und perlt mit unschuldiger Eleganz, in sanft lächelnder Melancholie.  In ‚Game That I Play‚ bildet Pratt einen Kreis um das Lagerfeuer, begleitet sich selbst mit einlullender Anmut, lässt ihre Songs freigeistig wachsen.

Die Melodien und betörenden Harmonien schweben vor sich her, kleine Kniffe und Hakenschläge bewahren die Platte vor einer durch das spartanische Instrumentarium bedingten Gleichförmigkeit. Während ‚Jacquelyn in the Background‚ scheint die Platte sich über leichte Rpm-Wellengänge mühen zu müssen, nachdem Pratt den Refrain erst antaucht und danach aushebelt. ‚Greycedes‚ formwandelt mit heliumhafter Neugierde,  ‚I’ve Got a Feeling‚ könnte auch als Schlaflied für Jackson C. Frank durchgehen. Wieder so ein großer Name, aber eben: das besitzt einfach Klasse, rundum.
Vielleicht hat das weniger Reibungspunkte als das überraschende ‚Jessica Pratt‚ von 2011, dafür aber eben auch die ausformulierteren Kompositionen, das geschultere Auge für Details und abenteuerlustige Zielfertigkeit. Ein stimmungsvolles Klangmeer mit intimen Empathieglanz. Vielleicht sogar das sommerliche Äquivalent zum kühlenenden 2014er-Nachtwind ‚July‚ von Marissa Nadler, vor allem aber der Soundtrack für die Momente, die zwischen Traum und Aufwachen verschwimmen.

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