King Gizzard & The Lizard Wizard – K.G.

von am 27. November 2020 in Album

King Gizzard & The Lizard Wizard – K.G.

Das versteckt platzierte Volume 2 im Artwork mag den Untertitel Explorations into Microtonal Tuning höchstens subtil in die Auslage stellen, dahinter ist die Agenda, die King Gizzard & The Lizard Wizard auf dem Quasi-selbstbetitelten K.G. verfolgen, jedoch absolut offenkundig.

Als spirituelles Sequel zur 2017er-Platte Flying Microtonal Banana sind die Initialen hier von der Rückkehr mikrotonaler Kompositionen geprägt, von orientalischer Exotik in den Harmonien und eventuell auch wieder selbstgebauten Instrumenten. Gefühlt gehen Stu Mackenzie und Co. aber eben sogar noch einen Schritt weiter als bis zur reinen Fortsetzung: K.G. macht vieles besser als sein Vorgänger, fühlt sich über sorgsam gestrickte Übergänge, als ohne Pause ineinander gemixter psychedelischer Rausch, wie ein potentielles Best of mit ausnahmslos neuen Song an, auch eine Zusammenfassung der hauseigenen Tugenden.
Es reiht sich praktisch Ohrwurm an Ohrwurm, während die (den Thrash von Infest the Rat’s Nest diesmal entgegen der Demo-Aussichten doch wieder weglassende) Band ihre Vielseitigkeit auf eine kompakte Weise destilliert, wie es die sage und schreibe sechs Livealben im laufenden Jahrgang nicht wollten, und hinter dem bedingungslos homogenen Konzept der Platte eine facettenreiche Spielweise an den Tag legt, die gerade in der überragenden ersten Hälfte durchaus Euphorie entfachen kann.

K.G.L.W. vervollständigt die Initialen im Titel und schlängelt sich in der Erinnerung an Rattlesnake als stimmungsvoll-entschleunigten Intro Richtung Morgenland (oder zumindest der Vorstellung davon aus australischer Sicht), bevor Automation (mittlerweile) mit Handclaps befeuert bereits so entwaffnend groovend um seine Melodie tänzelt, so catchy den ersten potentiellen Hit anbietet. Noch effektiver ist da nach der sanfter ihre Killer-Hook schmeichelweich in giftige Texte („It’s pathetic though/ You’re weaker than you know/ …/ Himpathetic bro/ You’re weaker than you know/  You don’t have a say/ A-a-anymore“) packenden Gendergap-Attacke Minimum Brain Size eigentlich nur das absolut grandiose Straws in the Wind, das King Gizzard vom zwölfminütigen Demo-Jam zum relaxten Indie-Folk-Evergreen mit einem verführerisch sinnierenden Ambrose Kenny Smith am Mikro geformt haben, der aus den 70ern hypnotisch gen Zeitlosigkeit tendiert.
Some of Us klettert ein bisschen verspulter und schräger über sein abgehakt fließendes Rumpeln und Ontology flimmert mit funky bimmelnder 60s-Party-Dramatik atemlos in eine Solo-Orgie. Wenn Intrasport (wohl am meisten abseits etwaig bereits beschrittener Wege) die pumpende Disco am türkischen Basar samt Streichern macht, Oddlife elektronisch angehaucht über hibbelig abgedämpft shakende Drums zwischen Ambient- und Dreampop wie ein sinistres Kinderlied stackst, während sich Honey kontemplativ unaufgeregt nach vorne gehend in die Ahnung des Americana kleidet und The Hungry Wolf of Fate den proto-doomigen Retrorock beschwört (ohne dabei den Fuzz so heavy aufzudrehen wie etwa Electric Wizard), dann ist das Kaleidoskop K.G. stets variabel, aber ohne Bruchstellen oder forcierten Druck, und eher zielsicher als radikal oder mutig. (Zumal man die Intention des Albums weniger Wohlwollen sicher als kulturtrippiges Gimmick einstufen kann, wenn Abseits der Saiteninstrumente eigentlich die meisten Elementw relativ konventionell nach westlichen Hörgewohnheiten agieren).

Wie selbstverständlich und mit immensem Unterhaltungswert schütteln King Gizzard jedoch ihre ungebremste Kreativität, den immer noch und immer wieder hungrig forschenden Tatendrang, die Dynamik und starkes Songwriting in das ästhetisch einende Format der mikrotonalen Sehnsucht.
Wie langlebig die Substanz des Gesamtwerkes dabei ist, lässt sich mit dem Momentum im Rücken zwar schwer abschätzen, dass hiervon aber mindestens ein gutes Dutzend an unbedingten Live-Smashern bleiben werden wird, scheint jedoch ebenso sicher wie die Bände sprechende Tatsache, dass K.G. – immerhin Studioalbum Nummer 16 seit 2012 – eine der kurzweiligsten Platten dieser hemmungslos ausufernden Diskografie geworden ist.

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