Krallice – Scour Order

von am 27. Oktober 2026 in Album

Krallice – Scour Order

Krallice kehren mit Scour Order nicht nur in den Schoss von Profound Lore heim, sondern gönnen sich mit Album Nummer 15 generell einen Blick in den Rückspiegel. Vollkommen nostalgiefrei, wohlgemerkt!

Das absolute Oldschool-Feeling der Platte geht primär mit einer personellen Rochade im Bandgefüge einher: Colin Marston ist von den Keyboards zurück an seine angestammte Position gewechselt, was bedeutet, dass Scour Order wieder im klassischen Setup mit zwei Gitarren eingespielt wurde. Wobei Marston und Mick Barr (vor einem vergleichsweise unspektakulären im Hintergrund arbeitenden Nicholas McMaster am Bassund dem wie immer ob der virtuos polyrhthmischen Blast-Variationen mit der Zunge schnalzend lassenden Lev Weinstein an den Drums) ihr unermüdlich progressives Spiel aus Dissonanz und Harmonien, vertrackten Riffs, zerhackten Math-Dynamiken und rasender Frickelei bei der Wurzelsuche sogar etwas zugänglicher angehen als gewohnt, indem sich viele Ideen lange genug wiederholen dürfen, bevor Krallice den nächsten Haken schlagen.

Im betont rohen und gleichzeitig sensationell klaren, differenzierten Sound (der in der Interaktion der Saiten, wenngleich stilistisch ganz wo anders verortet, hin und wieder an die Ästhetik von Capillarian Crest Denken lässt) klingt Scour Order dabei ein bisschen so, als wäre Material aus der Phase von Demonic Wealth und Psychagogue bereits in einem Zeitraum zwischen Years Past Matter und Ygg Huur eingespielt worden.
Grievous Corrector ist besonders harsch, rau, brutal und gepeinigt, gönnt sich aber auch eine Goth-Ader, derweil der herrlich wütende Derwisch Kill the Guardian es gewissermaßen schafft, von Dämonen besessen cool zu rocken. Her Green Arms hetzt getrieben, auf manische Weise ziellos, als würde man von Sinnen aus der Haut fahren wollen. Der abschließende Titelsong-Moloch gleicht eingangs sogar fast schon einer DSBM-Hässlichkeit, bevor eine heroisch erlösende Anmut mit ambienter Patina thront. Und im cineastischen Indecipherable Divinities tauchen zuvor hinten raus sogar doch noch spacige Synth-Schwaden auf, in der Krallice transzendieren.

So eklektisch und selbstreferentiell Scour Order in seiner grundlegenden Ästhetik also auch sein mag, sorgt das Songwriting und die Attitüde durch seine unberechenbare Wildheit mit einem abenteuerlichen Hunger für eine zwingende Frische und Dringlichkeit.
Auch wenn die individualisierende Ausprägung dieser Momentaufnahme nicht so radikal wie bei anderen Alben der Diskografie ausgefallen sein mag, erzwingt Scour Order sich so eine eigene Identität und legt gefühlt auch wieder neue Facetten im ständig mutierenden Wesen der Amerikaner frei – aus qualitativer Sicht irgendwo im obersten Drittel.
Denn subjektiv am wichtigsten: Krallice treffen mit der archaischen Ausrichtung der Platte einen absoluten Nerv, was die eigenen Vorlieben im Spektrum der Band angeht.


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