Fake Names – Punk Ruins

von am 26. Oktober 2026 in Album

Fake Names – Punk Ruins

Man kann den Umstand, dass Fake Names offenbar eigentlich als Demo Sessions gedachte Aufnahmen kurzerhand als ihr drittes Studioalbum veröffentlichen, als Beweis dafür feiern, wie gut die Allstar-Truppe ist. Oder aber den Tatsachen ins Auge sehen und sich eingestehen, dass die Ansprüche und Erwartungen an Punk Ruins einfach nicht sonderlich hoch sind.

Obwohl – oder gerade weil! – die mittlerweile aus Mario Rubalcaba (Rocket From The Crypt, Off!), Sänger Dennis Lyxzén (Refused, Backengrillen), Bassist Johnny Temple (Girls Against Boys) sowie den Gitarristen Brian Baker (Minor Threat, Bad Religion) und Michael Hampton (S.O.A) bestehende Band nach ihrem ernüchternden Debüt mit dem weitestgehend abseits der allgemeinen Wahrnehmung veröffentlichten Nachfolger Expendables die nötigen Optimierungsmaßnahmen vorgenommen hat, indem es mit dem die Zügel ein wenig enger ziehenden Engagement von Produzent Adam Greenspan vor drei Jahren die nötigen Weichen gestellt hat, um die Latte mit mehr punkiger Zackigkeit im Auftreten nicht zu tief zu halten.
Das abermals in Eigenregie eingefangene Punk Ruins macht nach dem Schritt in die Richtung insofern nun zumindest nur einen halben zurück zu den Ursprüngen – aber auch einen halben zur Seite.

Songs wie das an die mittleren Sleater-Kinney mit latent schnoddrig-theatralischer Cedric-Intonation erinnernde Until It’s Normal oder der betont poppige Singalong Good Old Days machen als catchy aus dem Handgelenk geschüttelter Punkrock nämlich alles sehr ähnlich, wie Fake Names das als Vorstellungsrunde tat – nur nicht ganz so frustrierend harmlos und energiefrei inszeniert, weil zumindest ein bisschen mehr Verve und Schmiss in der surfenden Nonchalance eingefangen werden konnte. Man kann den unkomplizierten Spaß, den die Beteiligten haben, beinahe hören.
Selbst wenn das Songwriting spätestens ab der Hälfte der Platte immer deutlicher schwächelt, geht ein Language Lost als unaufgeregte, kantenlose Erbverwalter-Variation von The (International) Noise Conspiracy gut ins O-hohoooo-r, joggt das redundante Beautiful Scars um eine nette Hook, und überzeugt selbst das Filler-Duo aus dem runden, gemütlichen If You Could See Me Today sowie dem relativ egalen The Little Wonders.

Vielleicht auch, weil der Band die im dritten Anlauf über weite Strecken praktizierte Ausrichtung hin zum massentauglichen Alternative Rock ganz gut steht – als wäre der Posten austauschbare Foo Fighters-Banalitäten zu schreiben nicht schon von Dave Grohl besetzt.
Das gilt vor allem für das knackige Titelstück sowie Cover The Distance, als auch den gediegenen Tom Petty’esken Heartland-Versuch What I Tell Myself. Sehr okaye Ohrwürmer können Fake Names einfach.
Das gilt auch dann, wenn The Little Wonders versucht, die Zügel hinten raus nochmal ohne wirklich gute Idee nochmal enger zu ziehen, oder Paradise bis auf die feinen Backing Vocals zu uninspiriert auf der Handbremse steht. Und sicher – das auf seine Rhythmusgruppe fokussierte Diamond Buzz hätte abseits seiner Fugazi-Liebe einfach einen weniger langweiligen Refrain gebraucht. Doch Strick will sich (das an dieser Stelle wohlwollen aufgerundet bewertete) Punk Ruins daraus aber keinen drehen. Selbst wenn der Eindruck bleibt, dass erst ein ausführlicheres Reifungsprozess mit externem Korrektiv hieraus ein wirklich (sehr) gutes Album machen hätte können.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen