Scrape – Scrape
Mit Chris Colohan als Frontmann kotzt die aus (ehemaligen) Mitgliedern von Left for Dead, Cursed, Lifespite, Insult, Citizens Patrol, Blind to Faith und Abusive Forms bestehende Allstar-Hardcore-Gang Scrape ihren Tribut an den Noiserock der 90er aus.
Womöglich hat die selbstbetitelte Debüt EP des weit verstreuten Quintetts alleine schon wegen seiner aus der Vergangenheit gespeisten Ästhetik keinen Staub angesetzt, obwohl die 9 Minuten der Vorstellungsrunde bereits während der Pandemie aufgenommen wurden und seitdem in der Pipeline warten mussten. Doch dieser, wie Gitarrist Willem-Jan Kneepkens erzählt, direkte Liebesbrief an die Idole Monkey, 16 und – bei dieser Namenswahl: natürlich! – Unsane zeigt bei aller Retro-Affinität auch einen frischen, unverbrauchten Zugang zu seinen Vorbildern und hat das Momemtum mit der harschen Attitüde der bisherigen Beschäftigungsfelder aller Beteiligter somit sowieso auf seiner Seite.
Wenn Writhe seine Rückkoppelungen im dreckigen Ambiente anwirft, garstige Riffs auf die roh keifende, heiser-räudige Trademark-Stimme von Colohan prallen, dann kann man auch Eyehategod oder Fudge Tunnel als Referenz ins Boot holen, der Sludge dräut jedenfalls giftig hinter jeder Ecke. Die Energie und Ästhetik der Epigonen bleibt dabei jedoch eigenwillig umgesetzt, der Eklektizismus alleine durch die eigene musikalische Prägung individuell schraffiert, und das Songwriting dazu einfach klasse.
Deliverance groovt, zäh und dynamisch, reibt sich an catchy Heaviness auf, Fucker Take All zeigt in seiner kompakten Griffigkeit immer bestialischere Zähne. Bad Year All Around hat sogar etwas überschwängliches an sich und feiert in der verschwitzt-rotzigen Angriffslust eine fast poppige Melodie-Hook.
Dass Scrapt als extrem vielversprechende Newcomer mit Veteranen-Appeal noch mehr Songs in der Lade haben, ist insofern eine tolle Nachricht. Bleibt nur zu hoffen, dass die Band sich nicht zu viel Zeit damit lässt, sie auch zu vollenden und zu veröffentlichen.


Kommentieren