Kurt Vile – It’s a Big World Out There (and I am Scared)

von am 12. November 2013 in EP

Kurt Vile – It’s a Big World Out There (and I am Scared)

Mittlerweile eine liebgewonnene Tradition: Kurt Vile schickt einem Full Lenght ein Kurzformat in limitierter Auflage nach. Im aktuellen Anlassfall haben es die knapp 30 Minuten von ‚It’s a Big World Out There (And I Am Scared)‚ allerdings nicht nur deswegen schwer, weil ‚Wakin On A Pretty Daze‚ die Latte für Kurt Vile-Material höher gelegt hat als alle Veröffentlichungen davor.

Zwei der versammelten 7 Songs (‚NRA Reprise‚ und ‚(reprise, reprise)‚) schaffen es nicht über die 2-Minutenmarke: engagierte Interludes, die bekannte Ideen entfernt variieren, aber alleine durch In- und Ausfaden auch keine wirkliche Atmosphärearbeit entfalten können. Klassische Fingerübungen also, Skizzen, wenn man so will – nett, aber auch verzichtbar. Wie vieles hier, zumeist im Schatten von ‚Wakin On A Pretty Daze‚ dösend. Auch abseits der beiden Intermezzos lehnt sich ‚It’s a Big World Out There (and I am Scared)‚ stark an seinen monumentalen Album-Verwandten an: ‚Never Run Away (String Synth)‚ entfernt sich nicht allzu weit von seinem Original, baut aber – wie der Name schon sagt – Streicher aus dem Synthie-Automaten ein: sehr dezent arrangiert, und wer da nicht mit der Lupe sucht wird keine gravierenden neuen Erkenntnisse erringen können ergo keinen großen Mehrwert finden.

Dazu überlegen sich Vile und seine neu formatierten Violators (Jesse Trbovich, Rob Laakso und Vince Nudo) Umbauten an zwei weiteren ‚Waking On A Pretty Daze‚-Songs: ‚Snowflakes Are Dancing‚ wird unter dem Banner ‚Snowflakes Extended‚ um fast ein Drittel in die Länge gedehnt – eine Zeit, die in diesem Kontext wie im Fluge vergeht, aber auf dem spielzeittechnisch ohnedies bereits großzügig dimensionierten Album wohl für Längen gesorgt hätte; ganz entgegengesetztdazu wird ‚Air Bud‚ (hier als ‚Wedding Budz‚) dafür als reine Akustik-Version um knapp 2 Minuten gekürzt und gibt sich jamlastig seinen Psychedelik-Sprengseln hin. Unbedingt notwendig? Eher wieder nicht. Aber eben doch mit der ureigenen, driftenden Vile-Slacker-Magie ausgestattet. Auf dem alleinestehenden EP-Format (und in Kenntnis der Albumtracks) kommt das allerdings eine Spur weniger notwendig und gewichtig zum Tragen als auf der aufgepimpten ‚Deluxe Daze (Post Haze)‚-Version des Studioalbums, bei dem das Kurzformat sein Mutterschiff als facetten-beleuchtender Bonus aufwertet.

Die beiden größten (und nebenbei auch längsten) Pluspunkte  auf ‚It’s a Big World Out There (and I am Scared)‚ – wegen derer nicht nur Hardcorefans ein Ohr riskieren sollten – hören dann auf die Namen ‚Feel My Pain‚ und ‚The Ghost of Freddie Roach‚: ersterer ist ein wunderbar unaufgeregt fingerpickender Gitarrensong nach klassischem Vile-Muster, bei dem die Rhythmusabteilung unbeirrbar zwei Häuser weiter mitzulaufen scheint, und etwas so rudimentäres wie Zeit ohnedies keine Rolle zu spielen scheint; zweiterer macht ähnliches, aber aufgefächerter und ohne ein derart stoisch treibendes Schlagzeug und schwebt schlussendlich in andere Gitarrensphären davon. Zwei neue/unbekannte Songs also, die das immens hohe Albumniveau problemlos halten können. Rundum also doch noch eine feine Sache, ohne vollends die Stärke vorangegangener Kurt Vile Appendix-EPs erreichen zu können.

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