Mile Me Deaf – Holography

von am 8. Mai 2014 in Album

Mile Me Deaf – Holography

Wolfgang Möstl lässt keine Zeit um das Ende von Killed by 9V Batteries zu bedauern, vor allem nicht sich selbst: Melt Downer sind bereits gegründet, das Debütalbum von Goldsoundz ausgeliefert und neben gefühlten drölfzig anderen beackerten Projekten geht es mit Sex Jams bald wieder ins Studio. Davor tobt er sich aber noch mit Mile Me Deaf an zahlreichen Fronten aus.

Er tut dies auch auf ‚Holography‚ im direkten Anschluss an die letztjährige ‚Brando‚ EP wieder auf diese wunderbar entspannt slackerhafte Art die er es sich über die Jahre auf all seinen Spielwiesen zum Trademark erhoben hat; bei der also jedes Gitarrengeschrammel, jede in den Raum geworfenen Melodie und jede lässig zurückgelehnte Hookline locker aus dem Ärmel geschüttelt klingt, spontan und scheinbar unangestrengt vorbeispaziert: Bedroom-Rock, Lo-Fi-Indie und Noise-Pop inklusive Trashreminiszenz und popkultureller Referenzen ohne Ende, immer tief in den 90ern erankert. Da darf man getrost an Robert Pollard denken, aber dessen Flagschiff Guided by Voices in aktueller Form gar nicht nur deswegen etwas weniger unterhaltsam finden als die hier aufgefahrenen 44 Minuten, weil Mile Me Deaf quasi vor der Haustür passieren, sondern weil hier die Highlights doch markanter passieren: wie das mit dösender Slidegitarre schunkelnde Glanzstück ‚Artificial‚ etwa, die ganz wunderbar dem Tagesende entgegenträumende Popminiatur ‚War Bonding‚ oder der superniedliche Singalong ‚True Blood‚. In ‚Out of Breath at Ego Death‚ lässt Möstl das Gaspedal dann scheppernd, quietschend und bratend durchdrücken und die Sause ähnlich schweißtreibend abgehenen wie den ungestüm kultivierten Radau von ‚Cryptic Boredom‚ (und ja, in diesen wirklich rockigen Augenblicken hätte ‚Holography‚ produktionstechnisch ruhig noch eine Schippe härter zupacken dürfen – aber in diesem Punkt werden ziemlich sicher die Liveversionen Abhilfe schaffen), während die entrückte Atmosphäre von ‚Domestics‚ die Vorhänge fistelnd zuzieht und wie ein Outtake von Blur’s Selbstbetitelter aus einer Parallelwelt driftet. ‚Shiver‚ dagegen bietet gleich den Schulterschluss zu ‚Trouble, Honey‚ an.

Und natürlich ist das Lehrbuch des Säulenheiligen Stephen Malkmus niemals weit wenn Möstl das Ruder in der Hand hat, etwa wie da ‚Science Fiction 1998‚ milde dem Country entgegenlächelt, in ‚Gold Kid‚ die Matte zur wärmenden Soulorgel geschüttelt wird oder das brillante ‚Third from the Sun‚ letztendlich Pavement in melancholischer Feierlaune mitsamt schwelgender Hymnik, seligen Backingchören, viel Romantik („I am willing to steal until we fight„) und schlaftrunkenen Bläsern ablichtet – der anschmiegsame Closer hätte es auch gerne in der ursprünglichen 15 Minuten Version aufs Album schaffen dürfen.
Man merkt vielleicht schon: ‚Holography‚ lässt sich nicht festnageln, Möstl will mit seiner Band den zahlreichen Schirmherren am Cover folgend auf zahlreichen Hochzeiten tanzen und compiliert aus einer eigentlich heterogen in alle Richtungen spechtelnden Songsammlung ein durchaus stimmiges Ganzes. Sicher: gelegentlich fängt sich die Platte kleine Längen ein – etwas wenn das launige ‚Macrosleep‚ etwas zu nett zu seinem trabenden Dosenbeat plätschert oder ‚Motor Down‚ ohne wirklich zupackendes Element am Shoegaze entlangmäandert. Es ist aber vielleicht einer der großen Songwritingkniffe des Wolfgang Möstl selbst in diesen schwächelnden Momenten auf unverbindliche Weise zu fesseln, seinen Songs stets etwas grundsympathisch-unkompliziertes auf unkaschiert direkte einzupacken und auch den wandelbaren Reigen ‚Holography‚ so mit klarer Handschrift zu einem enorm kurzweiligen und außerordentlich unterhaltsamen Schaulaufen zwischen Lässigkeit und Können zu verschweißen. Ungeachtet der hohen Outputrate Möstls kann da etwaiger Nachschub eigentlich gar nicht schnell genug geliefert werden.

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