Mona – Torches & Pitchforks

von am 9. August 2013 in Album

Mona – Torches & Pitchforks

Nicht so stark wie das Debütalbum – aber bis die Kumpels und Bandkollegen von Kings of Leon mit ‚Mechanical Bull‚ die angekündigte Rückkehr zur alten Form proben und Rick Rubin mit der neuen U2-Platte fertig geworden ist, muss neben den Editors ja irgendjemand die Stadien der Welt mit adäquatem Material versorgen.

Nun zu behaupten ‚Torches & Pitchforks‚ sei noch deutlicher eine Stadionplatte geworden als ‚Mona‚ sollte eigentlich alleine deswegen Unsinn sein, weil bereits der selbstbetitelte Einstand von 2011 mit Hits und Hymnen der Güteklasse eines ‚Pavement‚ oder ‚Listen to your Love‚ zwar bodenständig in der Kneipe verfasst worden war, aber mit ausladender Geste schnurstracks auf die größten Bühnen der Welt und in die Kehlen der tausenden Menschen davor wollte. Trotzdem streben die  Kompositionen diesmal tatsächlich noch ein klein wenig mehr und geradlinig in die Breite, schreien vom stilgerechten, Transistor-Intro (The Chapel Keys mit ‚Born To Serve The Lord‚) weg lautstark danach, Teil einer traditionellen, zu großen Gesten und druckvollem Pathos ausholenden Alternative Rock-Platte zu sein: Mona haben dafür wieder eine ganze Reihe mitreißende Ohrwürmer aufgefahren.

Wasted‚ setzt die Latte gleich zu Beginn hoch an, wenn die Amerikaner mit mehr Leidenschaft und Nachdruck antreiben, krähen und pressen als U2 das das letzte Jahrzehnt über taten. ‚Truth‚ schunkelt feierlich mit prägnantem Groove ebenso schnell in die Gehörgänge, leichtes Pianogeklimper tänzelt zwischen „All I wanted is truth/ All I got is you“ und „I got nothing now/ I am fine“ umher. Noch losgelöster mit flottem Rock’n’Roll-Spirit: ‚Darlin‚ – inklusive leidendem Soul-Finale.
Mona gehen auf Nummer Sicher, bauen auf dem Erfolgsrezept des Vorgängers auf. Mutig ist das vielleicht nicht, passen tut es aber dennoch. Weil die Amerikaner in Bestform eben immer noch mühelos ihre geradezu unverschämte Eingängigkeit mit einer hemdsärmeligen Bodenständigkeit verbinden.
Da sich Mona diesmal aber auch oft (vor allem zur Halbzeit der Platte) zu sehr auf das zuverlässig-leidenschaftliche Bono-Organ von Multitalent Nick Brown (Vocals, Gitarre, Piano, Ukulele, dazu: „Recorded By„, Engineer und Produzent) verlassen und ihre Songs auf (die zu gut gemeinte) Gesamtlänge auch mal gleichförmig und kantenlos an ihren vermeintlichen Stärken entlangleiten, fällt ‚Torches & Pitchforks‚ abseits der herausragenden Highlights im Direktvergleich gegen das mit deutlich stärkeren Einzelsongs ausgestattete, wendigere und sportlichere ‚Mona‚ in Summe doch merklich ab.

Der Konsensrock der Band erfüllt seinen Zweck nicht immer gleich souverän: bei getragenen oder lahmenden Gefühlsausbrüchen (‚Freeway‚), gepfefferten Halbballaden (‚Love Divine‚) oder wenn man gerne episch nach den Sternen greifen würde (‚Late Night‚) schwankt der Qualitätslevel merklich – denn: ‚Torches & Pitchforks‚ klingt phasenweise, als hätten Mona das verschwitzte Rocken verlernt.
Kleine Akzente wie die Gospel- und Bläser-Sprengsel im ansonsten farblos bleibenden Titelsong oder die Synthie-Ansätze im nett stampfenden ‚Like You Do‚ fordern den Abswechslungsreichtum im Rahmen der Absichten aber erfreulicherweise beinahe ansatzweise so sehr wie wenn Drummer Vince Gard sein Spiel in ‚L.L.L.‚ dynamisch am Wave nach vorne treibt oder für ‚Me Under‚ sein Kit zu kleinen Explosionen zusammenschiebt (wer möchte darf hier trotzdem Enrique Iglesias ‚Hero‚ durch den Mona-Baukasten hinweg mitbrüllen).
Die netten Interludes ‚Don’t Cry‚ und ‚Waiter‚ reichen der Intimität da kaum zum Luftholen. Wieder im hauseigenen Kellerstudio der nach Nashville übersiedelten Kombo aufgenommen ist ‚Torches & Pitchforks‚ grundsätzlich dichter gestaffelt als ‚Mona‚, für einen auf Zweitwerken grundsätzlich gerne wütenden Produktionsbombast findet sich aber glücklicherweise keinen Platz.

Aber eben: es reicht auch ohne diesen um das Quäntchen deutlicher in die Arenen der Welt zu drängen als bisher.
Selbst wenn es dafür keine weiteren Indizien für diese Marschrichtung gäbe – Mona hätten immer noch ‚Goons (Baby, I Need It All)‚ an Bord: mit anbiederndem Fußballstadion-Ohohoho-Chor gräbt die erste Singleauskoppelung schamlos in Richtung der ersten Fratellis-Platte und orientiert sich am jüngst kultivierten Stammpublikum der Black Keys/Danger Mouse-Kollaborationen. Ein brachial funktionierende Brechstange für ein Album, dass ansonsten weitaus sattelfester vorzeigt, wie im wachsen befindender, massentauglicher Stadion-Konsens durchaus geschmackvoll aufbereitet werden kann.

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