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My Morning Jacket – The Waterfall II

My Morning Jacket - The Waterfall II

Nach fünf Jahren Funkstille erwachen die durchaus stilprägenden My Morning Jacket mit The Waterfall II wieder – also ausgerechnet mit einem Sequel zur Vorgängerplatte, die tatsächlich „nur“ aus  übrig gebliebenem Material der damaligen Sessions stammt.

Diese lange Wartezeit, gerade angesichts der seit 2015 an sich ja gegebenen Verfügbarkeit der aufgefahrenen 10 Songs, macht wohl nur dann wirklich Sinn, wenn man die an Veröffentlichungen nicht gerade rare Solo-Diskografie von Frontmann Jim James seit dem ersten Waterfall im Hinterkopf behält.
Dass keine Eile bestand, die zurückgehaltene Musik zu veröffentlichen, ist jedoch auch auf einer inhaltlichen Ebene durchaus stimmig – im Grunde von Spinning My Wheels (das sich nur sehr bedächtig in Bewegung setzt, entschleunigt zu sphärischen Synthies und elegischen Chören führt) weg immanent. Was weniger über die Qualität des Openers im Speziellen oder The Waterfall II im Allgemeinen aussagen soll, als vielmehr über die zwanglos plätschernde Ästhetik einer zumeist in sich selbst ruhenden Platte.
Das achte Studioalbum von My Morning Jacket ist unaufdringlich bis zur Unscheinbarkeit, meisterhaft arrangiert, balladesk getragen und eigentlich stets mit der Opulenz liebäugelnd zumeist eine zurückhaltende Subversivität pflegend – wenn etwa in Feel You vorsichtige Streicher in ein bedächtiges Folkrock-Szenario schweben, das auch Jonathan Wilson gefallen sollte, während die Gitarren selbst in ihren spannungsgeladensten Szenen halbdösend verführen, der friedvolle Freiheitsdrang die Strukturen wohlig und weich geöffnet wird.

In dieser durchaus auch klassischen Ausrichtung hat The Waterfall II keinen tatsächlichen Ausfall zu beklagen, aber auch (im positiven wie negativen) nur wenige Momente  die aus einem weitestgehend kohärenten Fluß der Unverbindlichkeit aufzeigen.
Still Thinkin stampft sanft zu einer eingängig gehauchten Melodie und schüchternen slide Gitarren, taucht dann sogar als Twist in einen jazz-proggigen Ambient-Traum ab. Das starke Run It klingt wie eine vertraute Erinnerung an einen seit Jahrzehnten vergessenen Ohrenschmeichler, der mit seiner charmanten Nonchalance entwaffnet. Und Wasted erblüht im erhebenden Gemeinschaftsgefühl, bis zur Mitte hin die Abzweigung zur orchestral befeuerten Gitarrenexkursion genommen wird, leider ohne exzessive Konsequenz – dafür ist Welcome Home eine umso intimere und vorsichtigere Einkehr.
Climbing the Ladder fällt in seinem flott pumpenden, etwas zu frontal gackernden Country-Zug nach vorne dagegen ein wenig aus dem Rahmen, auch wenn die temporäre Zeitlupen-Aufnahme vor dem mit gelöstem Solo feiernden Finale eine nette Idee ist. Beautiful Love (Wasn’t Enough) stackst dagegen motorisch, bleibt aber bis auf sein knisterndes Solo eine Bagatelle, die erst durch den trockenen, stoischen Groove von Magic Bullet annähernd aufgewogen wird, der sein Grundgerüst anbietet, damit sich die 70s-Psychedelik-Textur bis zur Brass-Sektion flanierend im Kaleidoskop betrachten darf.
Der so versöhnliche Schlußpunkt The First Time, ist allerdings durchaus symptomatisch für The Waterfall II im Gesamten, wenn die Gefälligkeit angenehm nebenbei zu konsumieren ist, trotz zahlreicher Details aber beinahe an die vermeintliche Ereignislosigkeit grenzt und damit schneller wieder vergessen ist, als es die 46 Minuten mit einer vor einer halben Dekade wohl noch etwas greifbarer vorhandenen Euphorie My Morning Jacket betreffend verdient hätten.

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