Nada Surf – Peaceful Ghosts

von am 13. November 2016 in Livealbum

Nada Surf – Peaceful Ghosts

Dass Nada Surf gerade einmal ein Jahr nach dem in Eigenregie veröffentlichten Live At The Neptune Theatre Seattle bereits das nächste Live-Album vorlegen, macht in diesem Fall durchaus Sinn: Peaceful Ghosts arbeitet 13 Songs der Indie-Lieblinge mit reichhaltiger Orchester-Unterstützung auf. Schön!

Es wäre ja auch wirklich zu schade für die Allgemeinheit gewesen, wäre der Ausflug von Matthew Caws und Co. mit dem Babelsberger Filmorchester in Berlin (bzw. im Juni davor bereits mit dem ORF Radio-Symphonieorchester im Rahmen einer FM4 Session in Wien) nicht für die Allgemeinheit konserviert worden – denn erwartungsgemäß verträgt sich der herzerweichend romantische Indierock der New Yorker in der Regel doch ziemlich wunderbar mit den sorgsamen Breitwand-Arrangements unter der Leitung von Komponist Max Knoth und Calexico-Kumpel Martin Wenk.
(Obwohl der Zugang natürlich relativ brav gestaltet ist: Nicht, dass Nada Surf ihre Songs komplett auseinandernehmen und neu zusammensetzen würden; viel eher spielt das Quartett die Nummern nur mit der orchestralen Unterstützung im Rücken auf gefällige und schmeichelweiche Art neu ein).
Comes a Time wird etwa gleich noch eine Spur rührender, wie da die Streicher leise und unaufdringlich unter den Song kriechen und freie Flächen zärtlich ausfüllen, während die Band selbst bis auf das zweckdienliche Schlagzeug mit viel Grandezza zurücktritt. When I Was Young schließt mit fantastischer Geste die Augen und endlich darf auch die Gitarre mal ein bisschen bratzen lassen; die softrockende Melancholie von Are You Lightning? kann mit wohlwollender Langeweile restlos schlüssig in der neuen Umgebung aufgehen. Die märchenhafte Disney-Verträumtheit steht Blizzard of ’77 allgemein äußerst lieblich, die Bearbeitung von Blonde On Blonde gerät hingegen gerade auf die ersten Meter unsagbar wunderschön. Und The Fox klang vielleicht nie majestätischer, als in seiner hier aufgefahrenen, pompös-percussiven Bläser-Spektakel-Version.

Dass dabei die Gefahr einer handzahmen Überzuckerung besteht, liegt bei derartigen Projekten dennoch in der Natur der Sache – und auch Peaceful Ghosts ist nicht restlos vor einigen weniger gelungenen Passagen gefeilt. In Beautiful Beat schwanken die Arrangements etwa vordergründig mit konventionell-träger Gemütlichkeit neben dem eigentlichen Song her, nur um im Finale gar etwas dick aufzutragen. Nicht nur in 80 Window überrollt die ohrenschmeichelnde Hymnik der Bläser und Streicher zudem Caws stimmliche Fähigkeiten ein klein wenig, auch in Inside of Love – das natürlich wie gemacht für dick auftragende Gesten der Zärtlichkeit ist – gehen Nada Surf im Kern beinahe unter. Und dass das Orchester eher hilflose Standards neben dem schunkelnden Animal abspulen muss, ist eindeutig der Qualität des Original-Songwritings geschuldet – dass sich einige andere Songs der Discografie wohl weitaus interessanter mit dem Babelsberger Filmorchester gestalten hätten lassen können, als die getätigte Auswahl, bleibt jedoch subjektive Mutmaßung.
Was man Peaceful Ghosts letztendlich jedoch zu Gute halten muss: Es gelingt der Platte überraschenderweise, bis zu einem gewissen Grad mit dem Material des jüngsten Studioalbum von Nada Surf auszusöhnen. Gerade im neuen Believe You’re Mine sorgen die dramaturgisch ankurbelnden, jubilierenden Streicher für ein klein wenig der nötigen markante Spannung, die dem diesjährigen You Know Who You Are schlichtweg abgegangen war. Auch der Cinemascope-Blick auf Rushing tut gut und der frohlockende Glitzer auf Out of the Dark verleiht der Routine zudem lieblich-kitschiges Feuer, auch wenn die Bläser von der letzten Calexico-Session zurückgelassen zu sein scheinen.
Tatsächlich bleiben diese Variationen deswegen die einzigen wirklich notwendigen Bearbeitungen – in Summe stellt Peaceful Ghosts vor allem eine so nette wie absolut willkommene Ergänzung für das momentan etwas ausgebrannt scheinende Œuvre der Band dar und ist schlichtweg: Schön!

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