Noctule – Extinguish Thy Flame

von am 27. September 2026 in Album

Noctule – Extinguish Thy Flame

Noch vor dem Ende von Svalbard bleibt Serena Cherry mehr Zeit für ihren in der Pandemie aus der Taufe gehobenen Videogame-Schrein Noctule. Extinguish Thy Flame macht dabei praktisch alles nochmal ein Quäntchen besser, als das 2021er-Debüt.

Nach dem The Elder Scrolls V: Skyrim gewidmeten Erstling Wretched Abyss dreht sich auf dem Zweitwerk der Britin alles um Elden Ring, bzw. Sovngarde sowie ihre Lieblings-Bosse des FromSoftware-Monolithen.
„Exploring my passion for games by writing songs about them is definitely what Noctule is about now“ sagt Cherry und findet mit dieser klar definierenden Standortbestimmung auch die Ambition, mit Extinguish Thy Flame über das Beschäftigungsprojekt zum Schaulaufen anzuwachsen: Das Songwriting, die Inszenierung und die Arrangements zeigen mehr Bandbreite, die Dynamik gibt sich im direkten Vergleich etwas vielseitiger und die sauberere Produktion macht die songgewordenen Endorphinschübe noch zugänglicher.
Vor allem aber hat Noctule hinter dem Intro Welcome to Limgrave das Spektrum vom epischen Black Metal für die neue Spielwelt markant weit in den Melodic Death verschoben, so dass schon Devour the Gods überdeutlich an die heroischsten Momente von Kollegen wie Darkest Hour denken lässt.

Das in den Himmel strahlende Lord of Blood lehnt sich mit singomischen Tendenzen gar ein wenig zu den True- und Hair-Ausläufern des Heavy Metal, Grafted gönnt sich ein melodramatisches Intro mit vermeintlichem Piano- und Streicher-Einsatz am Score (was, ebenso wie die nur selten zu unorganisch klingenden Drums oder der leider im Mix etwas untergehende Bass, ganz und gar nicht billig wirkt), bevor die Nummer im flehenden Beschwören archaisch im orchestralen Sog fetzt: Eigentlich ist Extinguish Thy Flame gar nicht so oppulent umgesetzt, hat aber immer eine bombastische Attitüde in seiner feierlich anziehenden Aggressivität.
Das Herzstück Goddess of Rot geht im düsteren Hall in sich, bricht dann aber mit choraler Verträumtheit ästherisch auf und gönnt sich epochal krönenden Appendix. Toll!

Womit (die stimmlich einmal mehr auch in diesen Gefilden bestechende) Cherry grundlegend alles essentielle an den Tisch gebracht hat, sich bei kompakten 38 Minuten Gesamtspielzeit aber auch kaum unnötige Längen einschleichen. Das betont nach vorne bolzende Lament of the Omen King mäandert so zwar grundlegend etwas redundanter, hat aber exemplarisch einen so bittersüß catchy Zug, dem man sich kaum nicht entziehen mag.
Im Intermezzo O‘ Death zitiert Noctule den stürmischen Rausch aus der andächtigen Kathedrale herbei, wo Become My Blade Once More und Age of the Stars wie Walküren reiten, und in der majestätischen Hymnik von Hallowhorn Grounds immer glorreicher aufsteigt und Extinguish Thy Flame mit einer veritablen, keineswegs unverdienten Triumphgeste voll monströser Schönheit beschließt.

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