Oathbreaker – Eros|Anteros

von am 23. Juli 2013 in Album

Oathbreaker – Eros|Anteros

Oathbreaker gelingt auf ‚Eros|Anteros‚ über die volle Albumdistanz, was das grandiosen ‚Mælstrøm‚ mit dem abschließenden Titeltrack erstmal nur außerhalb des Gesamtkontextes zustande brachte: die Verschmelzung des bestialischen Hardcore-Reigens der Belgier mit einnehmenden Momenten betörender Schönheit.

Natürlich stellen sie wieder einen Gutteil der 10 Songs von ‚Eros|Anteros‚ – gandenlos rackernde Hassausbrüche, die ihren Hardcorekern mit chaotischer Crust-Sludge-Attitüde in Grund und Boden knüppeln. ‚Condor Tongue‚ etwa, diesem Gift und Galle spukenden Tritt auf das Gaspedal samt hoffnungsvoll ausgebreiteter Gitarre im Refrain. Oder ‚No Rest for the Weary‚, in dem sich Oathbreaker rundherum an Death Metal-artigem Gebolze versuchen, nur um das schwarze Herz in der Mitte dem Punk zu opfern. In ‚Nomads‚ serviert die Bande aus Gent dann ihren eigenen Slayer-Moment, der trotz all des Thrashs Platz für ein engelhaftes Finale hat. Der wichtigste Einfluss für Oathbreaker bleibt jedoch ihr Label Deathwish. Da haben Kollegen wie Birds in Row Spuren hinterlassen, wie da die Gitarren in ‚Upheaval‚ mit hyperventilieren Saiteninstrumenten im Heuschreckenmodus zum moshenden Beat abwerken, zeigt sich vor allem aber der Einfluss von Kurt Ballou und Co.: wenn ‚As I Look Into The Abyss‚ als ausgekotzter Wutklumpen in den Abgrund blickt, tut er dies alleine aufgrund der Gitarrenarbeit direkt und unkaschiert am Schaffen von Converge geschult.

Zurück blickt im knapp 9 minütigen ‚The Abyss Looks Into Me‚ allerdings eine zwar nicht neue, aber niemals noch derart beharrlich forcierte Facette des belgischen Abrissunternehmens: das ist ein brodelndes, wandelbares Stück nahe am Post-Metal, mit groovend-malendem Bass und langläufigen Gitarrenfiguren, dazu einer über weite Strecken wunderbar clean singenden Caro am Mikro. Nur vereinzelt kippt das immer wieder ins bestialische – und gerade da erst recht ins melodiöse. In jedem Fall ist das Verständnis der Sängerin, ihre durchwegs gute Gesangsstimme neben ihrem blutenden Schreien homogener ins Gesamtwerk einzuflechten einer der elementaren Fortschritte von ‚Eros|Aneros‚. Im Kontext wirkt ‚The Abyss Looks Into Me‚ zu diesem Zeitpunkt dennoch geradezu trügerisch unchaotisch und schwelgend, am Ende gar kurzzeitig betörend schön – freilich nur, bis Oathbreaker sich für die Abzweigung Richtung Hölle entscheiden.

Kein Ausrutscher auf ‚Eros|Anteros‚. Oathbreaker sind atmosphärischer geworden, knallen nicht mehr immer mit dem Kopf durch die Wand, nutzen Fingernägel weiterhin zum Augen-auskratzen, ziehen sich diese aber auch schmerzhaft wie in ‚Offer Aan De Leegte‚ in Zeitlupe aus dem eigenen Fleisch. Immer wieder fächern auch die hastigsten Sprinter sich in die Breite auf. Alleine ‚(Beeltenis)‚ als ambientes Drone-Intro verdichtet die sinistre, bedrohliche Stimmung einer finsteren Platte, die nach der Pflichterfüllung in der ersten Hälfte zur Kür mit der zweiten ansetzt.
Eros|Anteros‚ wird mit Fortdauer immer wuchtiger, findet seine Aggression weniger in Härte als in Massivität. Eine mächtigere Walze als ‚Agartha‚ haben Oathbreaker in dieser Form bisher jedenfalls noch nicht geschrieben, der immer wieder ins zauberhafte umkippende Gesang neben all dem infernalen Gekeife und garstigem Metal bringt dazu die Extreme zum leuchten. Das abschließende ‚Clair Obscur‚ nutzt seine beinahe 12 Minuten an Spielzeit dann, um sich als unheimlich intensiver Wellengang im dichten Nebel in gespenstische Gefilde treiben zu lassen. In all seiner Mystik sind Oathbreaker jedenfalls näher bei Grouper als dort, wo sie nach dem vielversprechenden ‚Mælstrøm‚ mit ‚Eros|Anteros‚ im Gesamten endgültig angekommen sind: in der ersten Reihe des wirklich wehtuenden Hardcores.

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