Orville Peck – Show Pony

von am 18. August 2020 in EP

Orville Peck – Show Pony

Orville Peck hat mit dem Sound seines Debütalbums viele Fans gewonnen, darunter auch Shania Twain. Insofern ist Show Pony gut damit beraten, den bisherigen Weg des maskierten Crooners nahtlos (poppiger) fortzusetzen – auch, wenn das nicht per se spannend ist.

(Weswegen eingangs auch ein kurzer Exkurs gestattet sein mag, der gar nicht exklusiv auf Peck bezogen ist. Wie viele andere Alben wurde nämlich auch der Release dieses Kurzformates verschoben – offiziell nicht wegen Corona und den businessmarkanten Einschnitten, die so eine Pandemie mit sich bringt, sondern um die Aufmerksamkeit nicht von der Black Lives Matter-Bewegung zu lenken. Was so durchaus ehrbare Absichten artikulieren mag, neben der grundlegenden Egozentrik – im speziellen Fall dann gerade auch mit hochtrabenden Worten versehen – aber auch doch als PR-Aktion anmutet. Schließlich wurden Platten, die in jüngerer Vergangenheit mit dem Verweis auf BLM verschoben wurden, meistens bereits wenige Tage oder spätestens ein knappes Monat hinausgezögert bereits ausgeliefert – als wären die BLM-Ideale da bereits wieder abgehakt. Was dem Ganzen einen Beigeschmack des substanzlosen Fassadenaktivismus verleiht.)

Sei es, wie es sei – kommen wir zu Show Pony. Einer EP, die passenderweise inhaltlich ebenfalls wenig Willen zu tatsächlichen Paradigmenwechseln zeigt (hier allerdings gilt: Warum sollte sie das auch tun?) und die Dinge höchstens insofern ändert, als dass sie Orville Peck mit konstanter Zuverlässigkeit die nächste Sprosse auf der Erfolgsleiter und breitenwirksamen Wahrnehmung, endgültig über die Grenzen der angestammten Sub Pop-Kundschaft hinweg, erklimmen lassen wird.
Immerhin hat sich der ständig prominenter werdende Mann mit der Maske nach einem Feature auf dem jüngsten Diplo-Album nun auch einen Gastauftritt von Shania Twain für seinen Album-Trabanten geangelt.
Besagtes Legends Never Die ist nun allerdings die schwächste Nummer von Show Pony, wenn auch die konsequenteste. Peck und die kanadische 90er-Sängerin (die ja erst im vergangenen Jahr alles zu sehen bekam, was sie nicht beeindrucken kann), eine harmlose Formatradio Nummer, die die beiden unangenehm forciert intonierend vor einem Feuerzeugmeer am Highway sehen will. Nicht nur die anvisierte LGBTQ+-Kundschaft („You got nothing if you ain’t got pride“) wird damit allerdings Freude haben.

Den Rest des Kurzformates verbringt Peck praktisch gleichermaßen damit, all jenen, die ihn für ein One Trick Pony halten, stilistischen Würfelzucker zu füttern und mit Qualität das Wind aus den Segeln zu nehmen.
Summertime tut dies ruhig und nostalgisch im Reverb badend, den Country als balladeske Dramatik im David Lynch-Vintage sehend, die Essenz von Roy Orbison mit Theatralik intonierend, während die melodiösen und ästhetischen Inspirationen eher zwischen Lana Del Rey und King Dude zeihend. So schippert das und baut sich auf, verpufft denn aber ohne Intensität. No Glory in the West nimmt sich noch weiter zurück, schunkelt alleine mit der Gitarre, hat eine solide Hook, ist alleine stimmungstechnisch gelungen. Kids arbeitet ähnlich, taucht für den Refrain allerdings vorgeblich ein bisschen direkter an und hat trotz seiner letztendlich sanften Spielweise eine latent variablere Grundstimmung – Peck kann schon, was er da tut, gerade im starken Mittelteil der EP. Das Highlight Drive Me, Crazy ist dort ein schöner, harmlos-beschwingter Americana-Rocksong am Piano mit feiner Atmosphäre, freiheitsliebend und unangestrengt, bevor das Cover Fancy (laut Peck ebenso von Bobbie Gentry wie Reba McEntire geprägt) lehnt sich lange in eine beschwörende Melodramatik, bis die musical’eske Nummer in einem frustrierend kompakt ausgebremsten Korsett rockend detonieren darf.
Wo Pony seine Vorzüge kaum vielseitig bald erschöpft hatte und bisweilen wie ein schnell erfasstes Gimmick wirkte, gönnt sich Show Pony als polierterer, kantenloser, aber sehr angenehm zu konsumierender Nachsatz nun zwar eine leidlich breitere Basis, unterstreicht damit aber auch, dass der Punkt bald erreicht sein könnte, an dem der unterhaltsame maskierte Cowboy mit seiner Anwesenheit übersättigt. Noch ist es allerdings nicht soweit.

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